Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich nach einem anstrengenden und langen Tag meines Yoga Teacher Trainings, am Pool meines entzückenden Homestays in Canggu Bali. Ich hab mir mit meinem pinken Roller einen super leckeren Burrito und einen Brownie to go geholt, den ich gerade verspeist habe und werde bevor ich schlafen gehe noch meine Vinyasa Krama Strichmännchen zeichnen. Ich bin voll und ganz angekommen auf meiner Soloreise und genieße jeden Moment.
Ich hatte allerdings meine Schwierigkeiten. Gleich am Anfang in Myanmar wurde ich krank und musste mit Fieber das Bett hüten. Ich ließ mich dadurch aber nicht entmutigen und habe, ohne den Kopf in den Sand zu stecken weiter gemacht. Während ich in Myanmar war, hatte ich das Gefühl, ich stell mich ziemlich gut an, so als Alleinreisende. Im Nachhinein weiß ich, dass es wirklich hart war. Ich habe aber versucht dieses Gefühl zu verdrängen und mir eingeredet, dass alles besten ist. Ich will jetzt nicht sagen, dass es schlecht war, nur jetzt wo ich wirklich angekommen bin, weiß ich eben, wie gut es sich wirklich anfühlen kann. Schwer zu erklären.
Die ersten Nächte in Schlafsälen mit anderen Menschen, die ersten Kontakte mit einer vollkommen fremden Kultur, die Tatsache, dass ich das erste Mal in meinem Leben wirklich komplett auf mich gestellt war. Ich kam mir am Anfang komisch vor, wenn ich mit fremden Leuten den Tag verbrachte. Dräng ich mich wohl nicht auf? Mögen die mich auch? Und derartige Gedanken gingen in meinem Kopf herum. Als ich allein im Restaurant saß hatte ich das Gefühl, jeder starrt mich an und ich hab krampfhaft versucht mich zu beschäftigen. Ich hatte das Bedürfnis und den Zwang auf meiner ersten Soloreise alles richtig zu machen, alle Tipps zu befolgen, die ich mir über die letzten Monate zusammen gesammelt hatte. Mein Kontrollwahn und Perfektionismus waren auch auf meiner Reise zu Beginn meine ständigen Begleiter. Es war ein wenig zu zwanghaft, zu gewollt und zu versessen.
Mein erstes Schlüsselerlebnis hatte ich im kleinen Bergstädtchen Kalaw. Nach einer nervenaufreibenden 8 stündigen Busfahrt ohne Klimaanlage wollte ich nur noch essen und ins Bett. Ich hab mir eine große Portion Nudeln und ein Glas Wein, das überraschenderweise echt gut war, bestellt und mein Buch „Tage in Burma“ vor mir ausgepackt. Das war das erste Essen alleine, das ich so richtig genossen habe. Es fühlte sich einfach gut und richtig an. Es war auch das erste Mal, dass ich nach dem Essen nicht fluchtartig das Restaurant verlassen habe, sondern noch sitzen geblieben und einfach beobachtet habe.
Auf den Philippinen hab ich das erste Mal Leute kennen gelernt, bei denen ich das Gefühl hatte, dass es Freunde fürs Leben werden können. Ich hab aber auch bemerkt, dass ich mir nicht zwanghaft immer Gesellschaft suchen muss, sondern ich auch wenn alle anderen etwas unternehmen, einfach einmal für mich sein kann, wenn ich das Bedürfnis danach habe. Es war mir ab diesem Zeitpunkt auch egal, ob mich die anderen mögen oder nicht. Ich dachte nicht mehr darüber nach. Es muss mich nicht jeder mögen, ich mag schließlich auch nicht jeden.
Nach ca. 3 Wochen bin ich wirklich angekommen. Ich hab mich bei dem was ich tat rundum wohl gefühlt. Das lag aber vor allem daran, dass ich gelernt habe, auf meine innere Stimme zu hören. Auch wenn ich backpacke muss ich nicht in überfüllten Dorms schlafen, wenn ich keine Lust dazu habe. Es ist okay, wenn ich in teure Lokale gehe und mir leckere Sachen gönne. Auch wenn alle anderen ausgehen, muss ich nicht, wenn ich müde bin und umgekehrt kann ich auch allein ein paar Bier trinken, wenn kein anderer Lust dazu hat.
Es muss nicht die perfekte Reise sein. Ich muss nicht alles kontrollieren und planen. Ich muss genau nur das tun, auf das ich in diesem Moment Lust habe. Ich hab mich damit abgefunden, dass es gute und weniger gute Momente und Erlebnisse gibt und ich nichts Bestimmtes erreichen muss.
Zwischendurch hatte und habe ich nach wie vor das Gefühl, die Zeit verrinnt wie im Flug und ich hab viel zu wenig Zeit, um all das zu machen, was ich machen möchte. An anderen Tagen hatte und habe ich das Gefühl, es dauert noch ewig bis ich meinen Freund und meinen Hund endlich wieder sehen und in die Arme schließen kann.
Ich bin froh, jetzt für einen Monat wieder eine Base zu haben und nicht aus dem Rucksack zu leben und alle drei Tage weiterzuziehen und neue Leute kennen zu lernen und ich bin froh nach diesem Monat noch einen Monat, ohne dass ich auch nur irgendetwas geplant habe, reisen zu können, bis meine Eltern kommen und wir die letzen drei Wochen gemeinsam verbringen.
Ich könnte noch ewig weiter schreiben, aber das war grob zusammengefasst das erste Monat meiner Soloreise. Geprägt von Höhen und Tiefen. Am Anfang zu gewollt und versessen. Nach ein paar Wochen endlich angekommen um schließlich jeden einzelnen Moment zu genießen und unendlich dankbar dafür zu sein, das alles erleben zu dürfen.

Guten Morgen Jules!
Ich freue mich für dich, dass bei dir rückblickend alles so gut verlaufen ist. Trotz der gesundheitlichen Startschwierigkeiten.
An deinem Post kann man wieder einmal sehr schön erkennen, wie das Reisen einen verändert. Wie man mit seinen Herausforderungen wächst und sich weiterentwickelt.
Ich bin so gespannt wie es mir nach einem Monat gehen wird, welches Resümee ich ziehen und von welchen Erlebnissen beziehungsweise Veränderungen ich erzählen kann.
In zwei Tagen geht es bei mir los… aaah! :-)
Liebe Grüße, Torsten…
Lieber Torsten…
Das freut mich sehr für dich, dass es endlich los geht. Ich wünsche dir nur das Beste und bin schon gespannt auf deine Berichte. Ja reisen entwickelt einen jedenfalls weiter. Man merkt einfach, dass man auch wenn man noch so sehr an seine Grenzen stößt, doch immer alleine voran kommen kann, wenn man nur möchte.
Alles Liebe
Jules
Hallo mein Schatz, wie schön, wenn ich solche Zeilen lesen darf.
Es macht mich wirklich stolz, dass du alles so gut meisterst und dass du es jetzt auch so richtig genießt.
Ich wünsche dir noch wunderschöne Erlebnisse auf deiner Reise und vor allem freu ich mich auf unser Wiedersehen.
Dickes Bussi
Julia, Du bist a Wahnsinn!
Hallo Myanmar Philippinen und Yoga in Bali in 4 Wochen? Oder hab ich was falsch verstanden? Ja so geht’s einem oft als alleinreisende da bist du nicht allein. Vor 12 Jahren in Myanmar war alles noch sehr Basic und alle hatten magenprobleme wegen dem essen ich hatte noch einen entzündeten schnitt unter der Fußsohle und beim zwangsbarfussgehen beim Tempel angst mich zu infizieren
Dir noch eine tolle Zeit wie heißt die yogaschule?
LG Doris
Liebe Doris
Myanmar und Philippinen in 4 Wochen und am Ende meines ersten Monats bin ich in Bali angekommen. In Indonesien bleib ich jetzt 2,5 Monate.
Haha ja das Zwangsbarfußgehen war nicht immer sehr hygenisch.
Danke. Die Yogaschule heißt Santosha in Canggu. Kann ich nur empfehlen.
Alles Liebe
Jules
Herzlichen Dank für diesen Beitrag! Ich breche in knapp zwei Monaten auf meine erste Solo-Reise auf – vier Monate in Südamerika – und kann es kaum noch erwarten. Ich bin ja gespannt, wie mein Fazit nach dem ersten Monat ausfallen wird. :-) Auf jeden Fall macht mir dein Beitrag nur noch mehr Lust, mein Abenteuer zu starten, gerade auch wegen der Erkenntnisse über dich selbst, die du inzwischen gewonnen hast.
Ich freue mich darauf, deine restliche Reise mitzuverfolgen!
Liebe Grüsse
Carla
Liebe Carla
Wow Südamerika, toll. Da will ich auch unbedingt hin. Ich wünsche dir noch unglaublich viel Vorfreude (ist ja bekanntlich die schönste Freude) und dann natürlich eine unglaublich tolle Reise. Mag es so toll werden, wie du es dir wünscht und erträumst. Aber wahrscheinlich wird es noch viel besser :)
Alles Liebe
Jules