Eines Tages fällt dir auf,
dass du 99% nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast
und schmeisst ihn weg,
Denn es reist sich besser,
mit leichtem Gepäck.
So gehen die ersten Zeilen eines Songs von Silbermond, der momentan in den Charts läuft.
Noch vor einem Jahr hätte ich mit diesem Satz nicht allzuviel anfangen können. Louis Vuitton, Prada, Tods, Miu Miu etc. im Kleiderschrank und eine Wunschliste, geprägt von weiteren Designernamen, die sich stetig verlängerte. Einmal die Woche zur Zara, Mango und H&M war Pflicht und ich schlecht gelaunt, wenn ich kein neues Teil mit nach Hause schleppte. Die gekauften Sachen machten mich aber stets, wenn überhaupt, nur kurz glücklich und so wie sie im Schrank verschwunden waren, war ich in Gedanken schon bei meinen zukünftigen Errungenschaften.
Als ich mich letzten Sommer dazu entschloss meine Reise zu machen, hieß das natürlich, dass ich dafür sparen musste. Ich wollte meine Rücklagen nicht für die Reise verbrauchen, sondern mir das ganze Geld extra dafür zusammen sparen. Das brachte natürlich mit sich, dass ich nicht mehr Shoppen gehen konnte. Anfangs fiel es mir noch schwer, nicht wie üblich in jedes Geschäft zu laufen, Gewand zu probieren und unnützes Zeug zu kaufen. Ich spürte eine unsichtbare Kraft in meinem Rücken, die mich in die Geschäfte hineindrängen wollte. Ich musste schließlich up-to-date sein und die neuesten Trends zu Hause haben. Nach und nach wurde diese Kraft aber schwächer und ich empfand so etwas wie Befreiung. Ich konnte wieder in die Stadt gehen, ohne dieses zwanghafte Gefühl, des Kaufen-müssens mit mir rum zu schleppen. Ein Gefühl von Erleichterung machte sich in mir breit.
Früher habe ich immer gedacht, ich muss wenn ich erwachsen bin so viel Geld wie möglich verdienen, um mir all die teuren Taschen, Schuhe etc. auch leisten zu können. Ich dachte diese materiellen Dinge seien der Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit. Dieser Gedanke ist jetzt nicht mehr in meinem Kopf. Ich habe bemerkt, dass mich materielle Dinge eher unzufrieden werden lassen und diese Unzufriedenheit durch den stetigen Drang nach mehr und besseren Dingen noch verstärkt wurde. Bestätigt hat sich dieser Gedanke auch auf meinen Reisen nach Südostasien. Die bitterärmsten Menschen, erschienen mir meistens am glücklichsten und zufriedensten. Erst wenn sie Wind von der westlichen Konsumgesellschaft bekommen, verlagern sich auch ihre Wünsche. Das macht sie aber auch unzufriedener und unglücklicher.
Der Besitz von zu viel materiellen Dingen und das fortwährende Streben nach neuen Konsumgütern, kreieren einen unnötigen emotionalen Ballast, von dem man sich durch eine minimalistischere Lebensweise leicht lösen kann. Dadurch entwickelt man auch wieder ein ganz neues Gefühl für die Wertigkeit von Dingen und ein Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Das heißt nicht, dass ich den schönen Dingen des Lebens nun vollkommen entsage. Ich gehe immer noch gerne shoppen und liebe es mich zwischendurch zu verwöhnen und mir etwas zu gönnen. Materielle Dinge haben allerdings einen anderen Stellenwert in meinem Leben bekommen und das macht mich insgesamt glücklicher und zufriedener.
Hattet ihr selbst auch bereits solche Erfahrungen? Macht es euch nicht auch manchmal glücklicher, nicht alles kaufen zu müssen und jedem neuen Trend hinterher zu jagen?

Ooooh, wie recht Silbermond mit diesem Lied hat und mir zudem aus vollem Herzen spricht.
Ebenso natürlich auch deine Gedanken über deinen Konsum und den Zwängen vor allem Dinge zu konsumieren, die man letztendlich nicht wirklich braucht.
Wenn man mal überlegt wieviel Lebenszeit für all diese Dinge investiert wurden… gruselig!!!