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food lifestyle sustainability

Food Decisions

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Gespräch mit einem vegetarischen Bekannten vor ein paar Jahren nach einer langen Partynacht. „Ich könnte nie mit einem Vegetarier zusammen sein, da würde mir ja im Restaurant die Lust aufs Essen vergehen, wenn der gegenüber nur an Gemüse herum nagt,“ so in etwa meine Worte. Well…..Shame on me – für diese Aussage und mein damaliges Denken.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich nun verstärkt mit den Themen Umweltschutz und Ernährung. Besonders die Rettung unserer Meere ist meine persönliche Herzensangelegenheit. Als ich mich so durch Netflix Dokumentationen zappte, blieb ich bei Cowspiracy hängen. Was ich dort sah schockierte mich. Unsere Nutztierhaltung ist einer der Hauptgründe für die Rodung der Regenwälder, Wasserverbrauch und Verschmutzung. Durch Nutztierhaltung werden mehr Treibhausgasse freigesetzt als durch die Automobilundustrie. Außerdem ist sie hauptverantwortlich für die sogenannten „Dead Zones“ in unseren Meeren und so gut wie alle anderen Umweltprobleme wie den Klimawandel. Damit hätte ich nicht gerechnet. Man hört und sieht zwar immer, dass fossile Brennstoffe, Palmöl, Plastik etc. für unsere Umweltprobleme verantwortlich sind. Aber dass die Hauptschuld daran eigentlich die Nutztierhaltung trägt, erwähnt niemand. Sogar große Umweltschutzorganisationen verschweigen dieses Faktum und weigerten sich mit den Filmmachern darüber zu sprechen.

„Eat more plants, do more Yoga.“

Bereits bevor ich die Dokumentation gesehen hatte, überkam mich in letzter Zeit verstärkt ein schlechtes Gefühl bei meinem Fleischkonsum. Als ich bei einem Grillabend ein Bernerwürstel aß und mir danach schlecht wurde, entschied ich für mich, dass ich das so nicht mehr möchte. Ich habe keine Ahnung was in diesem Würstel tatsächlich drin ist und möchte mir den Leidensweg der Tiere, die dafür sterben mussten, nicht einmal im Entferntesten vorstellen. Warum sollte ich so etwas meinem Körper als Nahrung zuführen? Das macht doch keinen Sinn. Ich entschied für mich hauptsächlich auf Fleisch zu verzichten. Nur zu besonderen Anlässen wollte ich mir weiterhin ein gutes Stück Fleisch aus artgerechter Tierhaltung gönnen und auf Prosciutto wollte ich nicht verzichten – Flexetaria Julia war geboren.

Nach und nach schaute ich mehr Dokumentationen wie What the Health oder Forks over Knifes. Ich hatte nicht damit gerechnet das unsere tierische Ernährung der Hauptgrund für die meisten Fälle von Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes ist. Mir war immer eingebläut worden, dass wir gewisse tierische Stoffe zu uns nehmen müssen, um uns ausgewogen zu ernähren. Dass das mit einer rein pflanzlichen Ernährung ebenfalls möglich und es sogar noch gesünder ist, war mir neu.

Nicht zu vergessen ist natürlich das Tierwohl. Ich liebe Tiere. Das tat ich immer schon. Allerdings wachsen wir damit auf, dass es in Ordnung ist, gewisse Tiere wie Schwein, Huhn oder Kuh zu essen. Wenn allerdings manche Kulturen Hundefleisch essen, schreien wir auf, weil es für uns Haustiere sind. Daran dass diese Menschen damit aufgewachsen sind, wie wir mit Schnitzel, das erwähnt keiner. Auch wenn ich Schweine schon immer süß fand, war es für mich okay sie zu essen und genau das ist eigentlich nicht in Ordnung. Warum hier einen Unterschied zwischen Hunden und Schweinen machen? Beide haben Gefühle und sind unfassbar intelligent. Beim Schreiben dieser Worte merke ich erst wie paradox es ist das eine Lebewesen zu essen und das andere im Bett neben sich schlafen zu lassen. Dennoch war das nicht der ausschlaggebende Grund mir über eine Ernährungsumstellung Gedanken zu machen sondern der Einfluss unseres Fleischkonsums auf unsere Umwelt.

Zurück zu meinem Fleischfresser-Ich. Bis vor nicht allzu langer Zeit belächelte ich Vegetarierer und Veganer. Speck, Kantwurst und Steak zählten zu meinen Lieblingsspeisen. Ich verstand es nicht wie man ein schönes Stück Steak gegen Gemüse tauschen konnte und empfand die Anwesenheit von Vegetariern an meinem Tisch teilweise wirklich als Provokation. Ich empfand Fleisch essen als Genuss und sah nicht ein, warum ich darauf verzichten sollte. Apropos Genuss, der ist ein Argument vieler Fleisch- und Fischesser. Aber kann ich denn meinen persönlichen Genuss immer über alles andere stellen? Und kann ich nicht lernen meine Gewohnheiten zu ändern und andere Speisen zu genießen? Ist es nicht wichtiger, dass in unseren Meeren auch in 30 Jahren noch Fische schwimmen, als dass ich mir mit Thunfisch, Scampi & Co den Bauch vollschlage?

The struggle is real.

Ich bin allerdings nach wie vor weder Vegetarier noch Veganer. Der Prozess hat bei mir gerade erst begonnen. An manchen Tagen denke ich, ich würde gerne nur mehr pflanzliche Produkte essen. Dann scrolle ich mich durch vegane Rezepte und merke wie in mir Gedanken hochkommen, dass ich nicht auf Käse oder Milchprodukte verzichten kann. An anderen Tagen denke ich, dass ich jetzt vollkommen auf Fleisch verzichten möchte. Dann bin ich bei meinem Geburtstagsessen am Pogusch, sehe den herrlichen Speck vor mir am Tisch und denke dass es doch in Ordnung ist sich once in a while ein „glückliches“ Stück Fleisch zu gönnen. Beim Essen werden meine eigenen allerdings von den Gewissensbissen übertönt.

Gewohnheit und meine Liebe zu gutem Essen, wozu für mich ein schönes Steak nach wie vor gehört, befinden sich im Kampf mit meiner Liebe zu Tieren, und meinem Bedürfnis nach gesunder Ernährung, Umweltschutz und  Nachhaltigkeit. Ich merke, dass meine pfanzliche Ernährung immer mehr wird und die tierische immer stärker in den Hintergrund tritt. Ich bin allerdings noch nicht dazu bereit ganz auf Fleisch zu verzichten, geschweige denn auf Milchprodukte. Ich denke auch, dass eine zu radikale Entscheidung am Ende für das Ergebnis womöglich kontraproduktiv sein könnte. Ich habe viel darüber gelesen und bei sehr vielen Vegetariern/Veganern vollzog sich die Entwicklung eher schleichend und über einen längeren Zeitraum hinweg.

Soviel zu meinen derzeitigen „Food struggles„. Ich würde mich über eure Berichte freuen. Seid ihr vegan oder vegetarisch? Wie seid ihr zu dem Entschluss gekommen? Vielleicht könnt ihr mir ja auf meinem weiteren Weg helfen.

 

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1 Comment

  • Reply
    Cookies&Style
    August 8, 2017 at 07:43

    Hey hey,

    ich lebe ja seit nun 4 Jahren vegan, war davor auch 8 Jahre vegetarisch.
    Nicht ohne Käse leben zu können, diesen Gedanken kenne ich nur zu gut. Sei dir versichert: es gibt echt coole Alternativen aus Nüssen oder anderen pflanzlichen Bestandteilen. Kann man auch selbst herstellen und macht echt Spaß sich da mal auszuprobieren. Vielleicht hilft dir das ja einen anderen Zugang zu finden!?
    Liebst,
    Ulrike

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