Sunset Yoga

Verletzungen beim Yoga & was das liebe Ego damit zu tun hat

Das Thema Verletzungen beim Yoga ist eines, das ich lieber unter den Tisch kehre und ignoriere. Für körperliche Beschwerden habe ich keine Zeit. Mein Körper muss funktionieren – schließlich bin ich ja Yogalehrerin. Tja leider tut er das nicht immer und was sagte mein Orthopäde nach meinem letzten Besuch bei ihm: „Hören Sie auf Ihren Körper, Sie wissen schon wie weit sie gehen können.“

Aber von Anfang an……Ich hab momentan mit zwei körperlichen Problemchen zu kämpfen. Das ist zum einen mein linkes Handgelenk und zum anderen mein unterer Rücken.

Mit dem Handgelenk kämpfe ich schon länger. Bereits seit einigen Jahren habe ich durch das Schreiben am PC immer wieder mal eine Sehnenscheidenentzündung. Seitdem ich allerdings viel Yoga mache, kommen die Sehnenscheidenentzündungen in kürzeren Abständen und bleiben länger. Kein Wunder – schließlich belaste ich das Handgelenk bei jedem Vinyasa, jeder Plank und jedem Chaturanga.

Ego. Take of the E and let it GO.

Mein unterer Rücken macht mir erst seit dem Winter Probleme. Nach einer intensiveren Rückbeugeneinheit traten die Beschwerden das erste Mal auf – stechende Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. Eine Zeit lang hab ich sie ignoriert und mich dann doch dazu entschlossen, den Rücken anschauen zu lassen. Diagnose: ein Bein kürzer als das andere, dadurch leichte Schiefstellung der Wirbelsäule und leichte Form der Kissing Spine Disease. Das bedeutet dass die Dornfortsätze meiner Wirbelsäule sich berühren und dadurch Schmerzen auslösen. Sie küssen sich also. Eigentlich ein ziemlich süßer Name für eine Krankheit. Die Ursache dafür kann entweder meine Schiefstellung oder falsche Bewegung sein. So genau kann man das nicht sagen. Gut möglich, dass es durch falsche Bewegung bzw. Überbelastung verschlimmert wurde.

Ich will diese körperlichen Gebrechen aber nicht so richtig akzeptieren. Kaputte Rücken haben nur alte Menschen und dieses doofe Handgelenk soll Ruhe geben. Mein Ego möchte Handstand üben und Queen of Backbending werden. Dass das liebe Ego beim Yoga so gar nichts verloren hat und durch Yoga in den Hintergrund treten soll, weiß ich. Aber erzählt das jemandem dessen Ego einem Riesen gleicht. Deshalb belaste ich mein Handgelenk oft nach zwei schmerzfreien Tagen wieder vollständig oder ignoriere das leichte Stechen im Rücken bei gewissen Positionen. Wenn ich diese Worte so niederschreibe, merke ich erst wie dumm das ist.

I have an ego, the size of a small planet.

Mit diesem Verhalten stehe ich nicht allein da. Meine ausbildende Yogalehrerin hat mir erzählt, dass sie in ihrer Jugend viel Asthanga gemacht hat. Die Folge – mehrere Verletzungen. Ein Bekannter der ebenfalls Yogalehrer ist, hat sich bei intensiven Rückbeugen die Rippen verletzt. Nur weil wir Yogalehrer sind, heißt das nicht, dass wir unser Ego vollständig unter Kontrolle haben und nur das tun was dem Körper guttut. Wir sind eben auch nur Menschen.

Der Grund warum ich diesen Beitrag schreibe ist zum einen Selbsttherapie. Vielleicht schaffe ich es dadurch wirklich endlich ein wenig mehr auf meinen Körper zu hören und auch mal Ruhe zu geben, wenn er e schon schreit: „Bis hier und nicht weiter.“ Der andere Grund ist, dass ich auch in meinen Stunden oft Schüler sehe, die vom Ehrgeiz und Ego getrieben an ihre Grenzen gehen. Und auch wenn Yoga eigentlich etwas ganz tolles für den Körper ist und man von Grund auf keine körperlichen Wehwehchen hat. Durch Yoga können auch wirklich schlimme Verletzungen und Probleme entstehen. Schuld daran ist aber nicht Yoga sondern einzig und allein unser Ego und unser Ehrgeiz.

Wie mein Orthopäde sagte: „Auf den Körper hören.“ Achtsamkeit und auf die Bedürfnisse des eigenen Körper zu hören sind zentrale Punkte beim Yoga. Es geht nicht darum, bestimmte Bewegungen und Übungen zu lernen, sondern darum, sich bewegen zu lernen: Belastungsgrenzen spüren, Sensibilität entwickeln und dem Körper nicht zu viel aber auch nicht zu wenig abverlangen. Mittelmaß, Balance finden und nicht übertreiben. So bleiben die Verletzungen beim Yoga auch aus.

 

1 Comment

  • Oh ja, Julia, wie Recht du hast! Man sagt ja nicht umsonst, dass mit einer Verletzung (egal ob durchs Yoga oder von wo anders) erst das „Richtige Yoga“ beginnt. Und es sagt sich immer so leicht, aber wenn man selbst Mal eingeschränkt ist, und gewisse Dinge mich machen kann/soll, die schon Mal funktioniert haben, dann zeigt sich erst, wie sehr man das Ego schon unter Kontrolle hat…
    It’s a looong way…

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