Wie ich den Halbmarathon in weniger als zwei Stunden geschafft habe

Zur Abwechslung möchte ich auch einmal einen Beitrag über Sport posten. Wenn ihr mich auf Instagram verfolgt, wisst ihr bereits, dass ich letzten Sonntag am Graz Marathon (zumindest am halben) teilgenommen habe. Halbmarathon!

Processed with VSCOcam with f2 presetIch laufe eigentlich schon sehr lange und das recht regelmäßig. Im Juni des heurigen Jahres hat mich aber die Motivation gepackt und ich hab beschlossen beim Marathon (ja damals war es noch die ganze Distanz) mitzumachen. Voller Elan und Enthusiasmus hab ich mir also diverse 12 Wochen Traningspläne aus dem Internet zusammen gesucht, von denen ich mich an keinen einzigen gehalten habe. Jeden Sonntag über 20km laufen? Intervalltraining? Nö, darauf hatte ich nun wirklich keine Lust. Wird schon auch mit Training a la Julia klappen, hab ich mir gedacht. Den ganzen Juni über wirklich top motiviert und vier Mal die Woche laufen gegangen, ließ meine Motivation Anfang Juli erstmals nach. Es war aber auch heiß im Sommer und Feierlichkeiten standen auch regelmäßig an. Da hab ich auch eingesehen, dass es mit der gesamten Marathondistanz wohl doch nix wird und stattdessen nur mehr für den Halbmarathon trainiert wird. 20km sind ja auch mit nix zu bewältigen.

Im August war ich dann aufgrund diverser Urlaube genau 1x laufen und auch im September konnte ich meine Motivation nicht mehr so wirklich finden. Wie hieß diese Studi-VZ Gruppe damals: „Meine Motivation lauft nackig und schreiend mit einem Cocktail über die Wiese“. Ungefähr so ist es mir auch gegangen. Jetzt wieder abmelden kam aber auch nicht in die Tüte. Ich Großmaul hab ja auch schon jedem erzählt, dass ich den Halbmarathon lauf. Also hab ich mich brav weiterhin ca. 3 Mal die Woche aufgerafft und bin laufen gegangen. Ein Training hab ich sogar im Regen aboslviert und das obwohl ich nun wirklich nur ein Schönwetterläufer bin. Da war, laut meinem Nike-Running-App übrigens der schnellste Kilometer den ich je gelaufen bin dabei.

Schließlich war das Marathon Wochenende auch schon da. Eigentlich hab ich mir ja fest vorgenommen und auch verkündet, dass ich bei Regen sicher im Bett bleiben werde und mich keine zehn Pferde dazu bewegen können zu laufen. Sonntag 11.10.2015, Wecker klingelt um halb 8, Blick aus dem Fenster: Regen und grausamstes Novemberwetter. Meine schreiende Motivation von der Wiese eingesammelt, hab ich dann beschlossen das jetzt durchzuziehen. Nach einem Powerfrühstück (Haferflocken, Bananen, Jogurth und Kaffee) wurde erstmal überlegt ob und welche Regenjacke ich anziehen werde. Als Schönwetterläufer war ich für Sport im Regen natürlich nicht ausgerüstet. Mit drei Alternativen hab ich mich dann mit meiner Mama auf den Weg zum Start gemacht. Währenddessen hab ich mich permanent selbst verflucht und mich gefragt, wie ich nur auf diese dumme Idee gekommen bin.

10.00 Uhr Start. Also etwas später, denn mit einer angepeilten Zielzeit von 2:00- 2:15 Stunden muss man ein wenig später vom Startblock 3 (übrigens der letzte) starten. Die Regenjacken hab ich meiner Mama wieder mitgegeben. Nass werde ich bei zwei Stunden im Regen sowieso, behindern tut sie mich auch und nicht zu vergessen, die anderen habens auch so gemacht. Mitläufer und so. Wie ich zu laufen begonnen habe, hat mich dann aber doch wieder der Ehrgeiz gepackt und mein ursprüngliches Ziel, das ganze unter zwei Stunden zu schaffen (das ich aber wirklich niemandem verraten habe – wäre doch peinlich gewesen wenns dann nicht geklappt hätte) war wieder ganz klar vor meinen Augen. Es hat mir dann sogar richtig Spaß gemacht. Ich hab mich ein bisschen wie bei einem Hindernisparcour gefühlt, schließlich musste ich, so schnell wie ich war, mir einen Weg durch die langsame Menge bahnen um mein Tempo halten zu können. Die wenigen Leute die an der Strecke standen und anfeuerten, haben mir noch mal einen zusätzlichen Kick verschafft. Vor allem wenn sie meinen Namen ins Megaphon geschrien haben. Bei Kilometer 10 hab ich mein erstes Energiegel zu mir genommen. Ob es wirklich was gebracht hat, keine Ahnung, aber ich habs mir zumindest eingebildet. Zwischen Kilometer 12 und 18 hatte ich dann einen Einbruch. Durch die Kälte haben meine Beine richtig zu schmerzen begonnen. Aber kämpferisch wie ich eben bin (Haha) gabs nur eines, weiter laufen. Noch ein Energiegel und ein kleines Stück Banane später hab ich mich schon fast wieder so gefühlt als hätte ich noch keine 18 km hinter mir. Nein so war es nun auch wieder nicht, aber der Gedanke nur mehr drei Kilometer laufen zu müssen hat mich schon sehr voran getrieben. Beim Zieleinlauf, angefeuert von meinen Lieben (die fast zu spät gekommen wären, nachdem ich ihnen gesagt hab, dass ich 2:15 brauche), hab ich noch einmal so richtig Gas gegeben um dann schließlich mit einer Zeit von 1:57 feierlich umjubelt (hab ich mir zumindest eingebildet) endlich über die Ziellinie zu laufen. Nass, erfroren, erschöpft und schmerzerfüllt aber zufrieden mit meiner Leistung.

Total motiviert hab ich mir am Abend schon eine Anmeldung für den Vienna City Marathon im April 2016 überlegt, obwohl ich am Morgen noch gemeint habe, jetzt ist mal Schluss mit Sport und Zeit für Winterspeck anfressen. Eine Zeit von 1:40 bis April sollte doch machbar sein? Na gut, eine Woche später ist die Euphorie wieder etwas verflogen, aber mal schauen.

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6 Comments

  • Toller und witziger Post und ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen. Ich war fuer Anfang Oktober fuer einen Lauf angemeldet aber ich war einer der Leute die wg Dauerregen abgesagt haben und ich aerger mich heute noch dass ich so ne Mimi war :(
    Also werd ich mich wohl auch fuer Fruehling nochmal fuer einen anmelden, weil das kann ich nicht auf mir sitzen lassen :)
    Liebe Gruesse,
    Charlotte

    • Halllo Charlotte,

      Frühling ist aber auch einfach besser zum Laufen. Schon allein aufgrund der größeren Motivation die man im Hinblick auf die Sommersaison und die Bikinifigur an den Tag legt.
      Viel Glück für dein Training weiterhin :)

      Alles Liebe
      Jules

  • Hallo Julia, hab grad deinen Bericht entdeckt. Mir ging es ähnlich wie dir. Ich hab meinen Halbmarathon in Stuttgart gestern absolviert, habe 2-3 mal in der Woche trainiert und das ein Jahr lang. aber dann das längste mit 17 km . Gestern hab ich gemerkt das man schnell an seine Grenzen kommt hab ihn geschafft bei einer Zeit von 2.27h 2.25h hatte ich mir als Ziel gesetzt. War dann 2 min drüber, aber das ist schon sauhart.

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