Lululemon, Technobeats & Instagram – hat Yoga seine Seele verloren?

Ein Artikel aus der Huffington Post mit dem Titel: „The Western Version of Yoga has sold its soul,“ hat mich zum Nachdenken gebracht. Je länger ich darüber nachdachte, umso wütender hat er mich letztlich gemacht. Hat Yoga seine Seele verloren?

Verkauft die westliche Version von Yoga die Seele des wahren und ursprünglichen Yogas? Katerina Cosgroves ist dieser Meinung. Ich hingegen ganz und gar nicht. Im Gegenteil, ihr Artikel regt mich fürchterlich auf. Warum? Das werde ich euch erzählen.

Ich möchte zuerst einige Auszüge des Artikels wiedergeben:

„We think of yoga primarily as asana, the pose. We’re under the impression that it’s just another form of exercise. We believe that yoga can be easily taught in a 45-minute session at the local gym. We accept that one-size-fits-all classes, whether they be a sweaty workout or a chilled nidra (yogic sleep), are adequate. We think yoga only works on one obvious level.“

„And we use yoga to sell product, the same way we use sex.“

„Adhering to the rules of mainstream advertising, yoga, like sex, has become something only thin, eroticised bodies can enjoy. The images we see in magazines or Instagram feeds are mostly those of middle-class, affluent, white men and women. Yoga has become a $16 billion a year industry in the United States alone, and you can choose from a smorgasbord of styles, as long as they conform to a rigid, standardised Western ideal.“

„But for now, there’s still a lucrative market for yoga and ’spirituality‘. We’re searching for something, whether that be a devotional tradition, a sense of belonging, or a chance at momentary equanimity. But it’s only a soft-core, sexualised spirituality many of us have found, of Lululemon yoga pants, midriff-baring tops and Instagram likes.“

„Why else do yoga teachers routinely advertise their classes with photos of themselves, backlit and lushly styled? Why else do their websites sell everything from coffee mugs to yoga blocks to pants?“

„All you need for yoga is yourself. It doesn’t have to be in a ’sacred‘ space. You create the sanctity. You can practice in a quiet, incense-filled room, or conversely, in a crowded park. You can do yoga on a beach or in a hotel room. At the airport while you’re waiting for a flight. In the car seat, waiting at a red light.“

„You don’t have to make a big production of it. You don’t need expensive clothes. You don’t music or recorded mantras or a sweat-inducing, heated studio. You don’t need to sweat at all (but you may, if you want to). You don’t even need a mat.“

„You need heart, breath, body. And a bit of soul won’t go amiss, either.“

Warum mich das alles aufregt?

Mag schon sein, dass viele am Anfang unter Yoga nur die die reine Pose (Asana) verstehen. Das war bei mir nicht anders. Allerdings denke ich schon, dass die meisten die länger und regelmäßig Yoga praktizieren, auch zumindest zwei der anderen Disziplinen des Yogas nämlich Meditation und Pranayama (Atemübungen) kennenlernen. Schließlich besteht eine Yogastunde grundsätzlich aus diesen drei Elementen. Ich verstehe allerdings nicht worin das Problem liegen soll, wenn jemand kein Interesse daran hat die anderen Teile des Yoga kennenzulernen. Das soll doch bitte jeder für sich entscheiden. Nur weil ich gerne hin und wieder koche heißt das ja auch nicht, dass ich wissen muss wie man einen Fisch richtig filetiert. Und wenn ich das nicht weiß, würde sich wohl auch kein Koch anmaßen, mir zu sagen, ich soll das mit dem Kochen ganz lassen, ich beschäftige mich ja nicht mit all seinen Bestandteilen.

Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist für mich, weshalb sich die Autorin darüber aufregt, dass Yoga der westlichen Gesellschaft angepasst wird. Um beim Essen zu bleiben. Auch exotische Gerichte werden in westlichen Breiten unseren Geschmäckern und Bedürfnissen angepasst. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich die Leute darüber aufregen würden, wenn ein Thailänder bei uns wirklich mit den selben Zutaten kocht, wie er es zu Hause tut. Ich wage mich allerdings zu behaupten, dass sein Restaurant recht leer bleiben würde. Warum ist es also verwerflich Yoga unserer Gesellschaft anzupassen? Ich sehe es vielmehr als Pluspunkt, dass Yoga auch der westlichen Welt zugänglich gemacht wird. Und viele die mit „westlichem Yoga“ beginnen, entdecken vielleicht erst dadurch, dass sie sich mehr mit der ursprünglichen Form beschäftigen wollen. Mich eingeschlossen. Und wenn nicht, ja und? Deshalb werden Gurus in Indien wohl kaum auf einmal in Lululemon-Pants rumlaufen und Yoga in seiner ursprünglichen Form wird auch nicht verloren gehen.

Am meisten aufgeregt hat mich allerdings der Part, in dem kritisiert wird, dass Yogalehrer Fotos von sich in Yogaposen auf Instagram posten und versuchen sich und ihre Produkte (sei das die Yogastunde oder Yogaartikel) zu verkaufen. Liebe Autorin, glaubst du etwa, die Schüler kommen dadurch zu uns, dass wir im Schneidersitz meditieren und uns eine volle Klasse wünschen? Leider nein. Glaub mir, das wäre mir 100 Mal lieber, als mir jeden Tag Gedanken über das richtige Marketing machen zu müssen. Tatsache ist aber, dass es in unserer Gesellschaft ein Überangebot an fast allem, so auch an Yogalehrern gibt. Daraus folgt, dass wenn wir unsere Passion zum Beruf machen, von dem wir vielleicht auch irgendwann/irgendwie leben möchten, wir uns und unser Yoga vermarkten müssen. Schluss, aus, Punkt.

Den letzten wunderschön geschriebenen drei Absätzen des Artikel hingegen stimme ich vollinhaltlich zu. Alles was du für Yoga brauchst sind dein Herz, dein Atmen und dein Körper. Aber wenn du  zusätzlich fancy Yogapants, flotte Musik und Yoga an tollen Orten möchtest, ist das okay und deshalb in keinster Weise verwerflich. Das eine schließt das andere nicht aus. Und auch wenn du mit dem spirituellen Kram rein gar nichts am Hut hast und Yoga wirklich nur als physisches Workout siehts, who cares. Leben und leben lassen, denn ist es nicht wirklich eine unyogische Eigenschaft über andere zu urteilen? „Bleib auf deiner Matte, wurde mir während meiner Yogalehrerausbildung sehr oft gesagt. Das möchte ich auch der Autorin dieses Artikels ans Herz legen.

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