Sri Lankas Hochland

Karma Yoga – mein wohltätiger Unterricht im Mutterkindhaus

Talking about waaaas? Karma Yoga bedeutet „Yoga der Tat“. Man bietet seinen Dienst für seinen eigenen Willen an. Auf alles was mit ichhaften Zwecken zu tun hat wird verzichtet. So wird das Herz gereinigt und negative Eigenschaften wie Eifersucht, Überheblichkeit, Hass oder Egoismus werden beseitigt. Stattdessen wird Platz für positive Eigenschaften wie Liebe und Mitgefühl geschaffen.

Karma Yoga

Neuerdings wird Karma Yoga oft in Studios angeboten. Yogis bekommen als Gegenleistung für gratis Arbeit im Studio, Yogasunden zur Verfügung gestellt. Meiner Meinung nach sehr am Gedanken des Karma Yogas vorbei. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich möchte euch heute vielmehr von meinem Yogaunterricht in einem Mutter-Kind-Haus der Caritas erzählen, den ich seit September 2016 jede Woche einmal anbiete. Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Ich hab mich bis jetzt dagegen entschieden, weil ich daraus keine weitere Geschichte für meinen Blog machen wollte und mich schon gar nicht über diese ehrenamtliche Tätigkeit profilieren will.

Ich habe meine Meinung mittlerweile geändert, weil ich mir oft denke mit welchen Privilegien die meisten von uns eigentlich geboren wurden und trotzdem wahnsinnig unzufrieden mit ihrem Leben sind. Bei so viel Negativität würde es vielleicht nicht schlecht tun, anderen etwas Gutes zu tun. Ganz ohne Hintergedanken und Eigennutz, um so wieder Platz für Positives im Leben zu schaffen.

Als ich im Juni von meiner Reise zurück kam, beschloss ich mich ehrenamtlich zu engagieren. Mir kam die Idee Yogaunterricht anzubieten. Von einigen Stellen die ich kontaktierte bekam ich gar keine oder eine ablehnende Antwort. Das enttäuschte mich zunächst. Ich verstand nicht, wieso man sich nicht freute, wenn ich mich schon dazu bereits erklärte meine Zeit und meine Fähigkeiten als Yogalehrerin zur Verfügung zu stellen. Wie es so oft der Fall ist, wenn man nach Antworten auf Fragen sucht, stieß ich auf einen Artikel, in dem es um Freiwilligen Arbeit ging. Der Tenor des Artikels war, dass man sich aus seiner eigenen Wohltätigkeit einfach nichts erwarten darf. Oft stößt sie bei anderen auf Ablehnung und damit muss man eben klarkommen.

Schließlich fand ich mit der Caritas und einem ihrer Mutter-Kind-Häuser aber eine Einrichtung, die mein Angebot dankend annahm. Ich freute micht. Vor meiner ersten Einheit war ich ziemlich nervös. Ich hatte keine Ahnung ob die Mütter mein Angebot ebenso annehmen würden,  wie die Betreuerinnen. Im Vorhinein wurde mir gesagt, dass ich mir nicht zu viel erwarten solle und es leicht sein könne, dass die Mütter eher weniger Lust auf Yoga hätten. Wo wir wieder beim Thema Ablehnung wären….

Die Neugierde hatte die meisten aber doch zur ersten Einheit getrieben, in der ich beschloss einfach zu improvisieren und mich auf die Wünsche der Mütter einzulassen. Ich denke das war richtig, denn die meisten sind nach wie vor begeistert von meinen Yogastunden. Es sind meist sehr junge Frauen, unterschiedlicher Herkunft mit vorwiegend traurigem Background. Berührungsangst ist fehl am Platz. Der herrschende Umgangston ist ein anderer, aber ich hab zum Glück keine Schwierigkeiten mich dahingehend anzupassen.

Jede Stunde ist anders. Eine typische Yogastunde war bis jetzt noch nicht dabei. Vor allem Atem- und Meditationsübungen fallen den Frauen sichtlich schwer. In der Stunde wird immer mal geredet oder auch gelacht. Die letzte Stunde vor Weihnachten sind wir nur am Boden gesessen und haben uns unterhalten. Es kann auch gut sein, dass die Frauen manchmal vergessen, dass Mittwoch Yoga ist, ich erst alleine da sitze und sie holen muss. Aber wisst ihr was? Das ist total okay. Denn mir ist es am Wichtigsten, dass die Mütter ihren Spaß haben und eine Auszeit von Alltag und Kindern bekommen. Dafür muss es kein normales Yoga sein. Da darf auch zwischendurch gelacht, geblödelt oder eben einfach nur geredet werden. Denn es soll ihnen gut tun und Spaß machen und sonst auch gar nichts.

Ich gehe jedes mal ohne Erwartungen hin und werde nach jeder Stunde mit einem Glücksgefühl beschenkt. Egal wie stressig oder blöd mein Tag auch gewesen sein mag und egal über welche Unwichtigkeiten ich mich mal wieder geärgert habe, nach der Yogaeinheit gehe ich mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause.

Ich hoffe, noch lang im Mutter-Kind-Haus zu unterrichten und kann euch wirklich nur ans Herz legen es einmal mit Karma-Yoga zu versuchen. Denn wenn mehr Menschen selbstlose Dinge tun würden, würden viele negativen Dinge auf der Welt bestimmt den positiven weichen. So das ist  zum Abschluss noch meine heutige Weisheit zum Sonntag.

 

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