Während meiner Studentenzeit war ich nicht glücklich, wenn ich nicht mindestens zwei Mal die Woche zu Zara ging, um die neuen Kollektionen zu checken. Bei den meisten Besuchen wanderte auch mindestens ein Teil mit mir wieder nach Hause. Auf meiner Wishlist standen Dinge wie: Louis Vuitton Tasche und Burberry Mantel. So schnell konnte ein Teil gar nicht erbeutet sein, rückte das nächste auf der Wishlist nach. Shoppen war ein Teil meines Lebens – sogar ein sehr wichtiger. Ich war ein Shopaholic!
Wenn ihr meine Blog schon eine Zeit lang verfolgt, habt ihr wahrscheinlich bereits mitbekommen, dass ich insbesondere durch meine lange Reise begonnen habe, die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Materielle Wünsche traten vor allem während meiner Zeit im Ausland zunehmend in den Hintergrund, um Platz für wichtigere Dinge im Leben zu machen. Je länger ich mich allerdings wieder in der westlichen Welt aufhielt, desto mehr begann ich wieder in alte Muster zu verfallen. Ich ertappte mich beim Scrollen durch Blogs und dem Durchblättern von Magazinen dabei, wie mir Gedanken we „Need“ oder „Want“ in den Kopf schoßen und diverse materielle Habseligkeiten in Warenkörbe von Onlineshops wanderten. Da mir diese Entwicklung nicht gefiel, beschloss ich im Dezember 2016 eine dreimonatige Shoppingabstinenz. Von Jänner bis März 2017 wollte ich keine Kleidung und auch sonst nichts Unnötiges kaufen.
So schwer ich dachte, dass es mir fallen würde, so einfach war es am Ende. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht 100% daran gehalten habe, da ich z.B. einmal für einen Anlass ein T-Shirt und eine Strumpfhose brauchte. Abgesehen davon hab ich aber wirklich nichts geshoppt. Als die Zeit vorüber war, machte ich einen größeren Shoppingbummel mit meiner Mama, bei dem Notwendigkeiten fürs Frühjahr und ein paar schöne, neue Sachen einfach so gekauft wurden. Der Shoppingbummel hat Spaß gemacht. Das würde ich aber nicht primär aufs Shoppen sondern eher auf die Tatsache zurückführen, dass ich einen netten Tag gemeinsam mit meiner Mama verbracht habe.
Seit meinem Selbstexperiment ging ich, wenn überhaupt, alle 1-2 Monate in einen Zara oder einen H&M um zu schauen. Meistens verließ ich das Geschäft aber nach ein paar Minuten wieder, weil es mich stresste und ich eigentlich auch kein Geld für Klamotten ausgeben wollte. Besonders in Erinnerung blieb mir ein Besuch in der Mariahilferstraße vor ein paar Wochen. Ich war gemeinsam mit meinem Freund dort, weil er etwas zurückgeben musste. Ich beobachtete die Leute die gestresst durch die Geschäfter hetzten und ein Kleidungsstück nach dem anderen in die Hand nahmen. Sie machten dabei den Eindruck gerade etwas unglaublich Lebensnotwendiges zu Tun. So richtig glücklich sah aber keiner dabei aus. Es wirkte auf mich eher so als würden sie Beschäftigung und Lebensfülle im Shoppen suchen. Die Eile der Menschen und der unnötig scheinende Konsum stressten mich und ich war froh wieder weg zu kommen. Ich dachte daran, dass ich früher auch Freude daran hatte einfach so regelmäßig Bummeln zu gehen und einen Fetzen nach dem anderen zu ergattern. Mehr als Kopfschütteln und Unverständnis hab ich heute für mein damaliges Verhalten nicht mehr über….
Bitte versteht mich nicht falsch. Ich liebe schöne Dinge nach wie vor und kaufe mir auch ab und zu gerne das ein oder andere schöne Teil, weil ich etwas Neues brauche oder auch einfach nur so. Aber es ist für mich unverständlich, warum ich mehrmals die Woche zu Zara und H&M gelaufen bin, immer wissen musste was es gerade Neues gibt und beinahe jedes Mal einen unnötigen Fetzen mit nach Hause geschleppt habe. Es ist für mich unverständlich warum ich versucht habe mir Luxusgüter anzuhäufen und dass wenn ich mir endlich meine Prada Tasche angespart hatte, schon die Louis Vuitton Tasche auf der Liste stand und die Freude an der neuen Errungenschaft durch das Haben-Wollens eines anderen Teils überschattet und gedämpft wurde. Mal davon abgesehen wie viel Geld ich eigentlich unnötig mit beiden Händen beim Fenster rausgeworfen habe.
Gar nicht anfangen will ich an dieser Stelle von der sozialen Ungerechtigkeit und der Umweltverschmutzung die durch Fast Fashion angerichtet wird. Dazu wird es demnächst noch einen eigenen Beitrag geben. Nur so viel, ich kann euch die Netflix Dokumentation „The True Cost“ empfehlen.
Aber wie sagt man so schön…..besser eine späte Einsicht als gar keine und ja, das trifft in diesem Fall wohl auch auf mich zu.
So spät finde ich die Einsicht gar nicht, manche kommen nie drauf . Bussi