Yoga Blogger im Interview: Betty von Oh My Yogi

Auf dem Blog der lieben Betty schreibe ich seit Beginn meines Yogablogger-Daseins monatlich einen Gastbeitrag. Ihr großartiger Blog ist eine Inspirationsquelle für alle Yogalehrer und sie war mir in meinen Blogger-Anfängen mehr als einmal behilflich und hat geduldig meine Fragen beantwortet. Leider kennen wir uns nach wie vor nicht persönlich, da sie in Deutschland lebt, aber trotzdem fühlt es sich nach der langen Zeit des E-Mail Kontakts irgendwie so an als würden wir uns schon kennen 🙂

Yoga Blogger im Interview

Für die, die dich noch nicht kennen, erzähl doch kurz etwas über dich (offline) und dich online (Blog).

Hi, ich bin Bettina, Yogalehrerin und Bloggerin. Im Jahr 2000 entdeckte ich Yoga für mich und stand meine halbe Jugend lang auf dem Kopf, bevor ich elf Jahre später begann von meiner Leidenschaft zu leben und mich in die Selbstständigkeit zu verlieben. Auf meinem Blog Oh My Yogi, welcher speziell an Yogalehrer und neugierige Yogis gerichtet ist, lasse ich all meine Erfahrungen einfließen und zeige dir, wie du Yoga mit Herz lebst und authentisch unterrichtest.

Wodurch hast du die Liebe zum Yoga entdeckt und was hat dich dazu bewogen auf deinem Blog darüber zu schreiben?

Yoga entdeckte ich ganz unromantisch über meine Liebe zu Büchern in einem Buchladen. Ich fand dort dieses Yogabuch, welches mich magisch anzog.  Naja, somagisch war es gar nicht. Auf dem Cover wurde der Skorpion dargestellt, das erschien mir – als ehemalige Kunstturnerin, die gerade nach einem körperlichen Ausgleich suchte – spannend. Ich kaufte es und turnte erst mal ein paar Jahre damit in meinem Jugendzimmer. Schnell fand ich heraus, dass Yoga mehr als Artistik ist und war fasziniert. Nachdem ich bereits drei Jahre als Yogalehrerin selbstständig war, bekam ich Lust auf etwas Neues und erinnerte mich daran, dass mir das Schreiben immer großen Spaß gemacht hat – und so war der Blog geboren. Dort entdeckte ich dann auch meine Liebe zum Internet und zum Webdesign. Anfangs schrieb ich noch über allgemeine Yoga- und Lifestyle-Themen. Schnell kristallisierte sich jedoch raus -durch Leser E-Mails und meine Vorlieben – dass ich besonders für (angehende) Yogalehrer schreiben, sie unterstützen und mich mit ihnen austauschen möchte.

Ich hatte unglaubliche rührende Kontaktaufnahmen von Lesern und auch persönliche Kennenlernen, aus denen am Ende sogar Freundschaften entstanden sind. Erzähl mir doch, von deinem ganz persönlichen Lieblings-Leser-Moment.

Es gibt so viele kleine Kontaktaufnahmen und Momente, die in ihrer Summe groß sind. Aber eine Situation kommt mir gerade besonders in den Sinn. Damals traf ic hmich mit einer Leserin, die selbst einen Blog führte, zu einer Yogastunde bei meinem eigenen Yogalehrer. Es war ihre Erste, sie war begeistert und ich konnte sie damit zum Yoga bringen. Wir treffen uns heute noch ab und zu.

Gab es auch schon negative Kommentare? Wie gehst du damit um?

In der Yogablogger-Szene hält sich das mit den negativen Kommentaren zum Glück in Grenzen. Erlebt habe ich es trotzdem schon und natürlich berühren sie mich manchmal mehr als ich möchte. Aber grundsätzlich versuche ich zu schauen, ob etwas an der Kritik berechtigt ist. Falls nicht, ignoriere ich sie einfach. Und sollte der Kommentar ganz unangemessen sein, dann lösche ich ihn sogar. Mein Blog ist wie mein Haus, in dem ich die Regeln aufstellen kann. Ich möchte zwar Raum zur Diskussion bieten, aber immer mit Respekt. Ist das jemandem nicht möglich, dann
fliegt er raus.

Woher nimmst du deine Inspiration? Welche Blogs liest du selbst gerne?

Ich lasse mich vor allem von meinem alltäglichen Leben als selbstständige Yogalehrerin inspirieren. Welche Probleme hatte ich auf meinem Weg, welche Fragen sind aufgekommen, was habe ich richtig und was falsch gemacht? Genauso von meinen Schülern und vielen Gesprächen mit anderen (angehenden) Yogalehrern- online und offline. Außerdem lese ich gerne Bücher und folge einigen Bloggern und Youtubern. Ganz vorne mit dabei sind Fuck Lucky Go Happy, Mady Morrison und eine meiner Lehrerinnen Tara Stiles.

Du bist ja auch auf Instagram aktiv. Stichwort Instagram-Yoga. Inspiration oder gefährliches Vorgaukeln falscher Realität?

Beides, es kommt ganz auf den Account und die innere Haltung dazu an. Manche schaffen eine schöne Mischung aus Handstand und Real Life und inspirieren mich damit sehr. Andere haben den Bezug zur Realität verloren und tun mir nicht gut – denen entfolge ich ganz schnell wieder.

Was bereitet dir persönlich am Bloggen am meisten Freude und warum? Und was ist am Nervigsten?

Das Schreiben ist immer noch das Schönste. Der Flow-Zustand währenddessen, dass sich andere in meinen Worten wiedererkennen oder dass ich ihnen sogar weiterhelfen kann – all das fühlt sich so gut an. Eine Herausforderung sind für mich die Social Media Kanäle, welche heutzutage eine so große Gewichtung haben. Ich versuche sie nur als eine Erweiterung meines Blogs zu sehen, mich nicht komplett hineinziehen und ablenken zu lassen. Manchmal fällt es mir jedoch schwer.

Behind the scenes – Berichte doch kurz über einen typischen Tag im Leben einer Yoga Bloggerin?

Mein Tagesablauf wird vor allem von meinen fünf Yogastunden die Woche bestimmt,da sie die einzigen festen Termine sind – manchmal abends und manchmal morgens. Abgesehen davon nehme ich mir morgens viel Zeit, checke die ersten Nachrichten des Tages auf dem Handy, frühstücke und mache Yoga. Dann wird der Laptop angeschmissen, geschrieben, in die Online Welt abgetaucht. Es gibt so viele verschiedene Aufgaben, dass es nie langweilig wird aber eben auch kaum feste Strukturen gibt. Ich habe mir angewöhnt montags eine begrenzte To-Do-Liste für die
Woche zu schreiben und mich an sie zu halten. Außerdem arbeite ich mittlerweile nicht mehr spät abends und am Wochenende. Diese Zeiten sind für Freunde, Familie und mich. Die Regeln helfen mir abschalten zu können, obwohl noch nicht alles erledigt ist. Denn es ist NIE alles erledigt.

Blogs vermehren sich stetig. Auch Yogablogs gibt es mittlerweile immer mehr. Findest du, dass es bereits ein Überangebot gibt oder noch Raum nach oben besteht?

Natürlich gibt es mittlerweile unzählige Yoga Blogs und es ist schwerer geworden, gegen „die ganz Großen“ anzuschreiben. Ich finde trotzdem, dass jeder es probieren sollte, der wirklich Lust, eine tolle Idee und Durchhaltevermögen hat. Man kann immer etwas besser oder anders machen. Es hilft bestimmt, sich eine Nische zu suchen, welche so konkret noch nicht bedient wird – wie bei mir „Yogalehrer“ – denn gerade die Yoga-Lifestyle-Themen gibt es schon wie Sand am Meer.

Noch ein paar Fragen, zu Yoga, die nichts mit dem Bloggen zu tun haben:

Seitdem ich Yoga mache, hat sich meine Persönlichkeit stark weiterentwickelt. Wie ist das bei dir? Was ist die größte Entwicklung oder Veränderung, die du durch Yoga bei dir bemerkt hast?

Da ich Yoga übe seit ich 13 bin und seitdem einfach erwachsen geworden bin, weiß ich nicht wirklich welche Veränderungen durch Yoga und welche durch das Älterwerden kamen. Aber ich kann sagen, dass ich in Zeiten, in denen ich viel Yoga praktiziere und meditiere, gelassener mit meiner Umgebung und nicht so streng mit mir bin. Wenn ich so darüber nachdenke: Yoga gibt mir Mut. Den Mut mich meinen Gefühlen zu stellen und für mich da zu sein. Den Mut selbst zu denken und für mich einzustehen. Den Mut mich selbstständig zu machen und meinen eigenen Job zu
designen… Ich kann mir ein Leben ohne nicht vorstellen.

Hast du eine Yoga Buch Empfehlung für meine Leser?

Für ein bisschen Spaß und Einblicke in die Yogaszene ist „Yoga ist ein Arschloch“ von Christine Bielecki ein spannendes und lustiges Buch mit Wiedererkennungswert. Außerdem mag ich die realistische Sicht auf Yoga in „The Science of Yoga“ von William J. Broad. Denn ich finde, dass eine kritische Auseinandersetzung mit Yoga auch heißt, dass er endlich ernst genommen wird. Und zuletzt das Buch, das mir in letzter Zeit am meisten gegeben hat und darum auch schon völlig zerfleddert ist: „Guiding Strala“ von Tara Stiles ist eine wahnsinnige Inspiration für alle Yogalehrer.

Was ist deine Lieblings Yoga Position? Welche Yogarichtung bevorzugst du?

Die Lieblings Yogahaltung ändert sich immer wieder, manchmal täglich. Sie tun mir alle auf ihre eigene Weise gut und ich mag gerade die, die mich an meine Grenzen führen, die etwas in mir auslösen. Zurzeit liebe ich es den Handstand spielerisch zuüben, er macht einfach Spaß und tut gut. Ich finde alle Yogastile haben etwas zu bieten. Ich selbst liebe einen Mix aus dem integralem Hatha Yoga, dem energetisch aufrichtenden Anusara Yoga und dem freien Strala Yoga. Mir geht es vor allem ums Fühlen und bei sich sein.

Zum Abschluss 3 Worte, die dich und deinen Blog am besten beschreiben.

Hier passt doch die Headline meines Blogs ganz gut: „Yoga. Teaching. Lifestyle.“ Übersetzt in eine Sprache, die mich innen mehr berührt, ergibt die Headline drei Worte, die glaub ich ganz gut passen: „Fühlen. Erschaffen. Leben.“

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