Dschungel von Sumatra

Auf Tuchfühlung mit Orang Utans und Elefanten – ein Besuch im Dschungel von Sumatra

Einmal im Leben Orang Utans in freier Wildbahn zu sehen. Wie viele Menschen Träumen wohl davon? Für mich wurde dieser Traum Wirklichkeit und ich durfte die vom Aussterben bedrohte Spezies, die es nur mehr im Dschungel von Sumatra und Borneo gibt, in ihrer Heimat besuchen.

Dschungel von Sumatra

Der Nationalpark Gunung Leuser ist ca. 4 Autostunden von Sumatras Hauptstadt Medan entfernt. Die Distanz ist zwar nicht so groß, die Straßen sind aber dermaßen schlecht ausgebaut, dass man für den kurzen Weg eine halbe Ewigkeit braucht. Die Stadt Bukit Lawang ist der Ausgangspunkt für Touren in den Dschungel. Bukit Lawang liegt am Rande eines Flusses und besteht hauptsächlich aus Wellblechhäusern, in denen die Einheimischen leben. Hier ticken die Uhren eindeutig noch langsamer.

Unser gesamter Aufenthalt wurde von Sumatra Paradise organisiert. Abgesehen davon, dass wir etwas zu spät vom Flughafen abgeholt wurden und unsere Unterkunft noch eher Baustelle als sonst etwas war, wurde alles perfekt organisiert. Nach drei Monaten in denen ich alles alleine geplant hab, war es wirklich einmal sehr angenehm, ein individuell für uns zusammengestelltes Programm zu haben und mich um nichts kümmern zu müssen.

Am ersten Tag fuhren wir ins 50km und trotzdem ganze zwei Stunden entfernte Tanghakan zum Elefanten Waschen. Die Fahrt war eine Tortur. Von Straße konnte keine Rede sein. Es war ein unbefestigter Schotterweg mit einer gefühlten Million an Schlaglöchern. Wenn man davor noch keinen Bandscheibenvorfall hatte, dann war es spätestens nach der Fahrt so weit. Besonders lustig ist es auch, wenn man so hoch geworfen wird, dass der Kopf an der Decke des Autos ankommt. Welche Strapazen man für Elefanten nicht alles auf sich nimmt.

Bei Aktivitäten wie Elefanten Waschen bin ich ja eher immer etwas skeptisch. Zu oft hab ich negative Berichte über Anbieter gelesen, bei denen die Elefanten ausgebeutet und schlecht behandelt werden. Das war hier Gott sei Dank nicht der Fall. Den Elefanten ging es echt gut und sie wurden respektvoll behandelt. Das Highlight des Elefanten Waschens war, dass drei der Elefantenkühe gerade Babys hatten. Gibt es was süßeres als Babytiere und dann auch noch Babyelefanten? Ich denke wohl kaum. Ungefähr eine dreiviertel Stunde verbrachten wir mit den Elefanten inklusive den Babys im Fluss, wo wir sie wuschen, von ihnen geduscht wurden und sie füttern durften. Elefanten Waschen an sich ist ja schon toll, aber die Babys haben es jedenfalls noch um ein Stück besser gemacht.

Am nächsten Tag stand der zweitägige Dschungeltrek mit Übernachtung im Dschungel an. Die Gruppe bestand nur aus meinen Eltern, mir und unseren zwei Guides. Unser Guide Ricky war besonders toll.

Schon nach einer halben Stunde sahen wir unseren ersten Orang Utan. Ein großes Männchen thronte majestätisch auf einem Baum und überblickte das Geschehen unter ihm. Nach ca. einer weiteren halben Stunde sahen wir gleich drei. Insgesamt haben wir an diesem Tag ca. 10 der Menschenaffen gesehen. Die meisten davon waren semiwild. Das heißt sie wurden von Hand aufgezogen und dann ausgewildert. Deshalb sind sie auch zutraulicher und an Menschen interessierter als ihre wilden Artgenossen.

Besonders zu erwähnen sind Mina und Jacky. Mina ist schon eine alte Dame und auch als der aggressive Orang Utan des Nationalparks bekannt. Ein Satz aus dem von „Jingle Bells“ zu „Jungle Trek“ umkomponierten Lied lautet sogar: „and when the Mina comes, everybody runs.“ Mina ist so ablehnend gegenüber Menschen da sie in jungen Jahren von Guides betäubt wurde. Diese Betäubung war allerdings notwendig, da sie ihr totes Orang Utanbaby mit sich rum trug und nicht loslassen wollte und die Guides es ihr nur auf diese Art wegnehmen konnten. Unser Guide Ricky ging als wir ihr Territorium erreichten daher extra vor, um sie nicht zu erschrecken. Wir trafen auch wirklich auf sie und erwischten sie Gott sei Dank an einem guten Tag. Friedlich saß sie auf einem Baumstumpf und ließ sich von Ricky ablenken, während wir sie bestaunen durften. Ein Erlebnis, wenn der Orang Utan einfach neben dir am Boden sitzt.

Das war allerdings nicht das einzige Erlebnis. Der Orang Utan Jacky nahm mich und meine Eltern als Geiseln, um uns gegen Bananen einzutauschen. Kein Scherz. Sie packte meine Hand und zog mich ein bisschen mit sich. Dass es einfach unbeschreiblich ist, wenn ein Orang Utan dich auf einmal bei der Hand nimmt, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Als der Griff immer enger wurde und sie begann meine Hand immer wieder zu ihrem Mund zu führen, hätte ich meine Hand dann zwar doch lieber wieder zurückgenommen. Das war aber unmöglich, denn Jacky ist unfassbar stark. Erst ein paar Bananen später und mit viel Überzeugungsarbeit und Ablenkung der Guides hat sie mich schließlich losgelassen und die Geiselnahme durch einen Orang Utan war auch schon wieder vorbei.

Orang Utans waren nicht die einzigen Tiere, die wir während des Dschungeltreks gesehen haben. Der zutrauliche Thomas Leaf Monkey leistete und beim Lunch Gesellschaft und ließ sich streicheln. Eine Landschildkröte kreuzte unseren Weg. Zwei Warane schwamen im Fluss und sonnten sich auf den Steinen. Eine Horde Makaken beobachtete uns beim Frühstück, nur um den Moment abzuwarten, um unsere Reste an sich zu reißen und die Küche zu stürmen und zu plündern.

Die Nacht verbrachten wir auf einfachen Matten die durch Planen geschützt waren am Fluß. Überraschenderweise hab ich Dank Bier am Abend und Ohrstöpsel, um den tosenden Fluss nicht mehr zu hören, geschlafen wie ein Baby.

Am nächsten Tag ging es nach einem Spaziergang zum inklusive Bad im Wasserfall per Tubing zurück nach Bukit Lawang.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich jedoch die traurige Tatsache, dass der Lebensraum der Orang Utans immer kleiner und kleiner wird, da der Dschungel den unzähligen Palmölplantagen weichen muss, in denen keine Tiere leben wollen. Wenn man durch Sumatra fährt sieht man oft nichts als Palmölplantagen und wird sich dem Umstand, dass der Mensch unseren wunderschönen Planeten Stück für Stück zerstört nur wieder einmal bewusst. Es bleibt nur zu hoffen, dass die wenigen geschützten Orte wie der Gunung Leuser Nationalpark auch wirklich erhalten bleiben und der Mensch in Zukunft vielleicht doch einmal anfängt umzudenken.

Nichts desto trotz waren diese vier Tage in Sumatra unglaublich und der perfekte Abschluss meines Aufenthalts in Indonesien.

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