Heute ist World Yoga Day und genau deshalb gibt es heute auch einen persönlichen Liebesbrief von mir an dich liebes Yoga.
Liebes Yoga,
solche Briefe zu starten ist immer ein bisschen schwierig. Wo anfangen? Am besten, da wo alles begann oder? Meine ehemalige Kanzleikollegin hat mir von dir erzählt, bzw. von einer Art von dir – Bikram. Gehört, versucht. Im Winter war es ja recht angenehm aber das Haare waschen jedes Mal danach ist mir auf die Nerven gegangen, deshalb hab ich es dann doch wieder gelassen.
Als Stress und Unzufriedenheit über meinen Beruf zunahmen und ich nach einem Ausgleich suchte, stieß ich allerdings wieder auf dich. Diesmal auf Vinyasa. Was soll ich sagen? I got hooked! Immediately! In dieser Zeit hast du mir eine Möglichkeit geboten, mich wieder mit mir selbst zu verbinden. Bei dir hatte ich eine Auszeit vom Alltag, ganz nach dem Motto: I’ve got 99 problems, I go to yoga and ignore them all for one hour, leben. Ich nutzte jede mir gebotene Möglickeit, um meine Matte auszurollen. Danke dass du nicht locker gelassen hast und obwohl ich dich nach unserer ersten Begegnung abgelehnt habe, wieder gekommen bist.
Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich am Anfang sehr von deinem körperlichen Aspekt fasziniert war. Erst nach und nach merkte ich den Effekt auf mein Inneres. Aber wie es oft so ist, dauert es meistens bis man die vielen verschiedenen Facetten von etwas kennen und begreifen lernt.
Zwei Monate vor meiner Reise las ich einen Bericht über ein Yoga Teacher Training in Thailand. Eigentlich hatte ich bereits alles durchgeplant, aber jedes Mal wenn ich auf der Matte war und diese tiefere Verbindung mit mir selbst spürte, kam mir der Gedanke, dass ich mehr von dir wissen möchte. Zuerst wischte ich den Gedanken noch weg. Ich sah keinen Sinn darin, schließlich wollte ich ja nicht Yogalehrerin werden. Außerdem würde es mich zwingen einen Monat am selben Ort zu bleiben. Aber wie sagte Oscar Wilde schon so schön: Versuchungen soll man nachgeben, wer weiß wann sie wieder kommen. Tja und da der Gedanke immer präsenter wurde, gab ich ihm schließlich nach. Mit deiner geheimnisvollen Art hast du mich überzeugt. Ich wollte deiner Rätselhaftigkeit auf den Grund gehen und wissen was da noch dahinter steckt, nachdem du es geschafft hast, dass ich mich bei dir so gut fühle.
Ich las im Vorfeld viel über Teachertrainings. Von intensiven und lebensverändernden Erfahrungen war die Rede. Tja, was soll ich sagen, liebes Yoga….so war es letzten Endes auch bei mir. Im Vorfeld habe ich ehrlich gesagt nicht daran geglaubt. Ich dachte, die Leute bilden sich das alles nur ein und auch während des Teacher Trainings konnte ich so manchen random Gefühlsausbruch meiner Mitstudenten so gar nicht verstehen. Bis zu einem Tag….. Ich hab bis jetzt noch kaum jemandem davon erzählt. Es war mir irgendwie zu privat. Aber wenn ich schon so ehrlich mit dir bin, liebes Yoga, dann kann ich dir das heute auch erzählen. Bei unserem Anatomie Lehrer Sean buchte ich eine externe Physiotherapie-Einheit. Viel Physiotherapie war es zwar nicht, dafür eine umso intensivere Erfahrung. Sean meinte, er wäre froh darüber, dass ich ihn konsultiert hätte, er habe das Gefühl, dass ich sehr viel zurück halte. Meine Reaktion darauf, war wie sooft – Ablehnung. Er bat mich, mich auf den Rücken zu legen und begann auf meinem Bauch herum zu drücken. Es war nicht fest und ich hatte eigentlich keine Beschwerden, aber irgendwie verspürte ich Schmerzen. Und ganz plötzlich brachen bei mir alle Dämme und ich begann zu weinen. Ich hatte keinen Grund, ich war gerade glücklich. Aber irgendetwas in mir löste sich und wollte heraus. Sean meinte, wir speichern in unserem Bauch, der auch der Sitz des dritten Chakras ist, oft Emotionen, die wir nicht verarbeiten können und dass das wohl die Ursache für meinen Gefühlsausbruch sei. Bis heute weiß ich leider nicht, welche Emotionen da zu Tage getreten sind und ob da noch mehr davon sind. Ich versuche aber nach wie vor es herauszufinden und zwar mit dir liebes Yoga. An dieser Stelle würde ich gerne Mal an dich appellieren. Könntest du mir vielleicht helfen, da ein bisschen schneller drauf zu kommen? Das war bereits vor mehr als einem Jahr…..Es ist wirklich lustig, als ich begonnen habe diesen Brief an dich zu schreiben, habe ich nicht einmal im Entferntesten an dieses Erlebniss gedacht. Aber wie sooft führst du mich eben manchmal dorthin, wo ich es am wenigstens erwartet habe….
Ach Yoga, mittlerweile begleitest du mich schon wirklich lange und ich habe das Gefühl, dass es noch sehr viel länger sein wird. Du schaffst es nach wie vor mich zu überraschen und mir neue Dinge zu zeigen. Ziemlich beeindruckend für eine Langzeitbeziehung. Ich habe das Gefühl, dass du noch immer sehr viele Geheimnisse vor mir hast, die du erst in Zukunft offenbaren wirst.
Was ich auch an dir liebe ist, dass ich in harten Zeiten immer zu dir kommen kann und du es jedes Mal schaffst dass ich mich wieder ein Stückchen besser fühle. Du erdest mich, du beruhigst mich, du hilfst mir dabei mein ab und zu irrationales, wirres Gefühls- und Gedankenkarussell zu verlangsamen. Du schaffst es, dass ich mich wieder besser mit mir verbinde und der Blick für die wichtigen Dinge im Leben, sollte er auch gerade noch zu verklärt sein, wieder klarer wird. Du schaffst es mich wieder wichtig und groß zu fühlen, wenn ich mit Versagensängsten zu kämpfen habe. Du gibst mir jedes Mal das Gefühl wertvoll und besonders zu sein, egal was ist. Du gibst mir Energie, Kraft und ganz nebenbei sorgst du auch noch für einen schönen Körper. Im Gegenzug verlangst du dafür nichts von mir, außer dass ich hin und wieder meine Matte ausrolle. Das nenne ich Bedingungslosigkeit. Danke!
Aber wie es bei jeder Liebesbeziehung so ist, ab und zu nervst du mich auch. Du sagst zwar, ich soll mein Ego ausschalten und nicht ungeduldig sein, aber ab und zu forderst du es geradezu heraus. Wenn mir deine schwierigen Asanas nicht gelingen wollen, egal wie lange ich sie schon übe, machst du mich manchmal fuchsteufelswild. Aber du schaffst es danach auch wieder mich zu beruhigen und sagst mir, dass es eigentlich gar nicht darum geht. Dafür schätze ich dich und der Ärger ist meistens schnell wieder verflogen.
Ich habe außerdem das Glück mittlerweile tatsächlich mit dir zu arbeiten. Auch wenn das nie meine Intention war. Aber wahrscheinlich hast du mich einfach dort hingeführt. Weil es eben so sein sollte…. Ehrlich gesagt ist das gar nicht immer so einfach. Es ist zwar wunderschön mit etwas zu arbeiten was man liebt, aber es ist und bleibt Arbeit. Das lässt mich ab und zu vergessen, dass wir auch eine private Beziehung miteinander haben. Das ist schade. Aber wenn es mal wieder soweit kommt, versuche ich mich ganz bewusst unserer privaten Beziehung zu widmen. Und guess what, alles ist auf einmal wieder leicht und klar…..so wie eigentlich immer mit dir.
Ich glaub das war jetzt genug Gesülze meinerseits. Zum Abschluss bleibt mir noch zu sagen, dass ich mich in dir getroffen habe als ich nach etwas suchte. Dafür bin ich dir unendlich dankbar. Deswegen wirst du mich auch in Zukunft nicht los und ich werde noch sehr lange an deiner Seite bleiben. Genieß deinen Tag, du hast ihn dir verdient!
Alles Liebe deine
Julia
Fotocredit: Marko Zlousic
Liebe Julia! Mir ging es ganz genauso! Vinyasa Yoga ist das Größte. Ich empfehle es jedem, der Vorurteile gegenüber Yoga hat und denkt es sei gar nicht anstrengend oder gar langweilig.
LG
Susanna
http://www.cocoandsun.com/
So süß!!