Bali palm

Bali – Himmel oder Hölle?

Eine Insel, ein Jahr später, eine Million Veränderungen. So wie ich Bali von meinem Aufenthalt im April 2016 kannte, so ist es heute nicht mehr. Was das in mir ausgelöst hat und wie ich mit den Veränderungen umgehe, erzähle ich euch heute.

Bali, Canggu, April 2016 – einen Tag nach meiner Ankunft auf der Insel fahre ich das erste Mal mit meinem Fahrrad durch den Ort und erkunde die Gegend. Ich fühle mich sofort zu Hause. Endlose Reisfelder, lange beinahe menschenleere Strände, ein paar Hipster-Cafes mit grandiosem Essen, Yogis, Kokosnüsse, gechillte laid-back Vibes.

Bali, Canggu, September 2017 – zuerst versuche ich die Veränderungen zu ignorieren und so zu tun als wäre alles wie immer. Bei einem geplanten Besuch von Old Man’s muss ich es mir aber schlussendlich eingestehen. In mir steigt ein Gefühl von Traurigkeit, Enttäuschung, Ohnmacht und Wut hoch. Mein home away from home hat sich verändert – sogar sehr. Angekommener Pauschaltourismus, Luxushotels in the making, Parkplätze statt Reisfelder, too much Instagram, Müll, Beachclubs, nervenaufreibender Verkehr.

Der Tourist sucht das möglichst Ursprüngliche und zerstört es, weil er es findet.

Ich muss zugeben, dass ich Bali wahrscheinlich auch wegen meiner tollen und prägenden Zeit beim Yoga Teacher Training besser in Erinnerung hatte, als es war. Denn  bereits 2015 hat Carin von Pink Compass über die Veränderung im Paradies geschrieben.

Nach wie vor kämpfe ich mit den Eindrücken und bin dabei sie zu verarbeiten und meine Gefühle für mein home away from home neu zu sortieren. Wenn man einem Ort auf der Welt ein Jahr so einen großen und besonderen Platz in seinem Herz einräumt, ist das gar nicht so einfach. So sehr ich mir wünsche, dass sich nichts verändert hat, so froh bin ich, dass mir die Realität nun vor Augen geführt wurde. Zwar wäre es nett gewesen mir meine rosarote Brille sanft von den Augen zu nehmen und sie nicht mit voller Kraft herunterzureißen, aber das Leben ist ja bekanntlich kein Wunschkonzert. Je mehr Abstand ich gewinne, desto objektiver kann ich die Veränderungen auch betrachten. Mit Bali und mir ist es wie in einer Beziehung. Die Phase der Verliebtheit ist vorbei und ich habe gesehen, dass es auch jede Menge negative Eigenschaften hat. Wie in einer Beziehung muss ich für mich entscheiden, ob ich mit diesen negativen Eigenschaften leben kann oder es Zeit wird mich von meinem home away from home zu verabschieden und weiterzuziehen.

If it challenges you, it might be a good thing to try.

Ich wusste schon immer, dass Bali nicht nur Strand, Palmen, Smoothiebowls, Spiritualität, Surfen, Yoga und Kokosnüße ist. Trotzdem neigte ich dazu, die negativen Aspekte des Insellebens aus meinem Kopf zu verdrängen. Fakt ist aber, dass die Dinge nun mal nicht nur schwarz oder weiß sind, sondern kunterbunt, wild und facettenreich. Und ist es nicht das, was das Leben am Ende ausmacht? Bali inspiriert, Bali schockiert, Bali verärgert, Bali fesselt. Entweder es verschluckt dich oder es spuckt dich aus.

Jetzt möchte ich euch aber endlich erzählen wie es mit mir und Bali weitergeht. Aller Veränderungen und negativen Eigenschaften zum Trotz, bin ich noch lange nicht dazu bereit meine Insel aufzugeben. Ich liebe Bali nach wie vor, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, jetzt wo ich es ohne rosarote Brille gesehen habe und es mich herausfordert. Und soll ich euch was sagen? Es gibt sie noch immer – die menschenleeren Strände, tollen Wellen und endlosen Reisfelder. Man muss nur ein bisschen suchen.

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