Bagan

Bagan – I found a new happy place

Wegen Krankheit einen Tag später angekommen als geplant, verbrachte ich leider nur knappe 1,5 Tage damit die magischen Tempelanlagen von Bagan zu besichtigen.

Die Ausdehnung von Bagan ist immens. Das archäologische Gebiet umfasst ganze 41km². Die Könige von Bagan ließen bis zum Jahr 1287 mehr als 4.000 buddhistische Tempel errichten.

Seit 01.03.2016 darf man gewisse Tempel nicht mehr besteigen. Auf die meisten kleineren kann man allerdings nach wie vor klettern. Also ist das nur halb so wild. Ich finde es sogar gut, da die Tempel teilweise so heruntergekommen sind, dass der wachsende Tourismus sie mangels Restauration nur noch mehr beschädigen wird. Bagan kann man grob in drei Teile unterteilen: Nyaung-U, Alt – und Neu Bagan. Von Nyaung-U nach Neu Bagan sind es ungefähr 10k km.

Tag 1

Gleich nach meiner Ankunft am ersten Tag startete ich mit einer netten Deutschen, die ich schon aus Mandalay kannte, die erste Entdeckungstour.

Am leichtesten kommt man mit einem E-Bike herum, das 3.000,00 Kyat für einen Abend und 7.000,00 Kyat für den ganzen Tag kostet. Es gibt an jeder Ecke Verleihstände. Optional kann man auch eine Pferdekutsche oder Fahrräder mieten. Beides kam für mich nicht in Frage. Die Pferde werden meiner Meinung nach grausam behandelt und fürs Fahrradfahren war es mir definitiv zu heiß. Wir haben uns zu zweit eines genommen. Aber Achtung, die Batterie kann ausgehen! Dazu aber später mehr.

Auf Anraten einer Hostelmitarbeiterin sind wir für unseren ersten Sonnenuntergang zum Tempel Thasa Kabi gefahren. Dieser befindet sich neben dem berühmten Dhamma Ya Za Ka, der durch seine goldene Pagode heraus sticht. Bereits bei der Anfahrt bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Die Atmosphäre ist kaum in Worte zu fassen. Der Ort hat etwas wahnsinnig mystisches und sagenhaftes an sich. Wirkt fast wie aus einem Science Fiction Film. Das Staunen nimmt nach der Besteigung des Tempels und mit der erstmaligen Erfassung des gesamten Areals noch einmal zu. Tempel so weit das Auge reicht. Bis zum Horizont. Die mystische Stimmung fand seinen Höhepunkt als die Sonne langsam zu sinken begann. Die Luft flimmerte durch die Hitze und wirkte durch die Trockenzeit und den Staub wie eine Dunstwolke. Das Rostrot der Ziegelsteine war durch das Abendrot der Sonne noch kräftiger. Ein magischer Moment. Wir genossen den Sonnenuntergang in vollen Zügen und fuhren nach einem leckeren burmanischen Curry wieder zurück ins Hostel.

Tag 2

5.00 Uhr Tagwache. Schließlich zählt es zum Pflichtprogramm eines jeden Bagan Besuches, den Sonnenaufgang mindestens einmal zu sehen. Nach einer kleinen Irrfahrt fanden wir auch den angepeilten Tempel. Nehmt lieber eine Taschenlampe mit. Es gibt keine Beleuchtung und die Wege sind nicht gut sichtbar. MapsMe hat uns während des Aufenthalts des Öfteren gute Dienste geleistet. Anders gesagt, ohne wären wir verloren gewesen.

Den Sonnenaufgang haben wir vom Pya Tha Da Tempel aus angesehen. Auch ein kleiner, der einen tollen 360 Grad Blick über Bagan ermöglicht. Wir waren auf dem ganzen Tempel vielleicht 15 Leute. Ich würde euch also jedenfalls raten, einen kleiner aufzusuchen. Man sieht genau so schön und ist nahezu allein.

Als die Sonne sich langsam am Horizont zeigte und die berühmten Heißluftballons aufzusteigen begannen, schossen mir Tränen in die Augen. Eine warme Welle durchströmte meinen Körper und ich empfand ein unfassbares Glück, diesen Moment erleben zu dürfen. Kennt ihr solche Momente, die euch einfach den Atem rauben? Das war einer davon.

Nach dem Sonnenaufgang erkundeten wir bis zum frühen Nachmittag die Tempelanlagen. Das Licht in den Morgenstunden ist unglaublich toll. Zu Mittag wird es so unerträglich heiß, dass es besser ist, bis zum Sonnenuntergang eine Pause einzulegen.

Zum Essen kann ich euch das Whether Spoons empfehlen. Der Veggie-Burger war einfach herrlich. Das Lokal ist in Nyaung-U.

Weitere bekannte Tempel die wir besucht haben sind:
Ananada Pahto – der am meisten verehrte Tempel aber auch der vollste
Thatyinyu – hat mir am wenigsten gefallen
Dhammayanagyi Pahto – dort hab ich ein tolles Bild ergattert und wir haben unzählige Selfies mit Einheimischen gemacht und sie mit uns

Eine Fotosession mit einer Schulklasse hat ungefähr 10 Minuten gedauert, da jedes Kind natürlich sein eigenes Foto mit uns berühmten Westlern haben wollte. Wir hätten Geld dafür verlangen sollen.

Ansonsten haben wir uns eher an die kleineren gehalten und die Atmosphäre genossen. Mir war es nicht so wichtig die berühmtesten zu sehen. Mir war es lieber etwas mehr Ruhe zu haben und diesen magischen Ort zu genießen.

Wir haben es sogar geschafft bei 4000 Tempel, zwei Mal an einem Tag beim gleichen zu landen. So etwas muss man erst einmal schaffen.

Über Mittag haben wir also eine Pause eingelegt, um zum Sonnenuntergang gemeinsam mit einem Schweden noch einmal loszuziehen. Den Sonnenuntergang haben wir wieder von einem kleinen Tempel genossen, dessen Namen ich nicht weiß, da er nicht auf der Karte eingezeichnet war.

Aber zurück zur eingangs erwähnten Batterie des E-Bikes….Nach Sonnenuntergang wollten wir über einen Umweg wieder zur Hauptstraße und dann wieder zum Hostel fahren. Der Umweg dauerte länger als gedacht, auf einmal war es finster und wir im Stockdunklen verloren zwischen den Tempelanlagen. So toll die Anlage bei Tag ist, so beängstigend ist sie bei Nacht, wenn man plötzlich die ganzen Geräusche der Tiere hört und nichts mehr sieht. Angeblich gibt es laut einem Einheimischen in der Trockenzeit zwar keine Schlangen. Aber meiner Meinung nach hat dieser Ort ausgesehen, wie ein Schlangenparadies. Aber egal. Ich musste gefühlte 100 Mal vom E-Bike absteigen, da der Sand zwischenzeitlich so tief war, dass man kaum fahren konnte. Ihr könnt euch vorstellen wie toll es ist in Birkenstocks im Dunkeln nur beim Licht der Taschenlampe durch den Sand zu latschen und an Schlangen zu denken. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir, MapsMe sei Dank, wieder auf die Hauptstraße gefunden.

3km vor unserem Hostel wurde unsere Befürchtung von der leeren Batterie wahr. Alle Striche waren weg und das Batteriezeichen blinkte nur mehr. Sowohl bei unserem E-Bike als auch bei dem des Schweden. Kurze Panikattacke. Die zweite an diesem Abend. Wir hatten nun wirklich keine Lust das Scheißding 3km weit zu schieben. Bis ca. 2km vor dem Hostel ist das E-Bike trotzdem noch gefahren, bis es vollends seinen Geist aufgegeben hat. Der Schwede war allerdings so clever, E-Bike zu stoppen. Und wir hatten das Glück, das zwei Deutsche anhielten. Der Schwede hielt sich an dem des einen fest und ließ sich ziehen. Ich setzte mich auf das des anderen hinten rauf, damit unseres das mittlerweile wieder 3km/h schnell fuhr nicht so schwer war und wir kamen doch noch heil am Hostel an. Was für ein aufregender Tag.

Fazit:

In Bagan habe ich einen new happy place gefunden. Dieser Ort hat mein nach Mandalay verlorenes Mojo wieder zum Vorschein gebracht. Die Anlage hat mich mit ihrer Aura derart fasziniert, dass ich Tage damit verbringen könnte, durch die Anlagen zu spazieren. Wenn man auf die bekanntesten Tempel verzichtet, schafft man es den Tag nahezu allein in den Anlagen zu verbringen. Der Tourismus hier ist noch in den Kinderschuhen. Einziger Wehmutstropfen ist, dass die Tempel sehr heruntergekommen sind und dringend restauriert werden müssen. Ich befürchte sonst, dass der drohende Touristenstrom sie sonst noch mehr beschädigen könnte. Ich möchte jedenfalls an diesen happy place zurückkommen und hoffe, dass er noch eine Weile von den Touristenmassen, wie man sie z.B. in Angkor findet, verschont bleibt.

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