Gili Trawangan Tauchen

30 Meter Tiefe, Hai und Out of Air – mein advanced diving Kurs auf Gili Trawangan

In Gili Trawangan hab ich meinen fortgeschrittenen Tauchkurs in der Tauschule DSM Dive gemacht. Wie ihr in der Überschrift gelesen habt, war dieser sehr ereignisreich. Aber von Anfang an:

Bereits während meinem Open Water Kurs war mir klar, dass ich auf jeden Fall auch den fortgeschrittenen Kurs machen möchte. Mit dem Open Water darf man nur in einer Tiefe von 18m tauchen. Das reicht für gewisse Tauchplätze allerdings oft nicht. Wenn man den fortgeschrittenen Kurs gemacht hat, darf man in einer Tiefe von bis zu 30m tauchen. Außerdem war es mir wichtig meine Skills vor allem in den Bereichen Tarierung und Navigation zu verbessern.

Mit der Tauchschule DSM Dive hab ich die richtige Wahl getroffen. Meine Tauchlehrerin Astrid war wirklich toll und hat mir zusammen mit dem Manager der Tauchschule Adrien auch noch die letzte Angst vor dem Tauchen genommen. Meine Mama wird hier bei ihrem Besuch den Open Water Kurs machen und ich überlege noch den Rescue Diver dazu zu machen. Wenn ihr auf Gili Trawangan tauchen gehen wollt, geht also unbedingt zu DSM Dive.

Der fortgeschrittenen Kurs besteht aus fünf Tauchgängen, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Tieftauchen ist Pflicht und daneben kann man sich noch 4 Spezialgebiete aussuchen. Ich hab mich für Tarierung, Computertauchen, Navigation und nach langem Überreden lassen für Nachttauchen entschieden.

Ich hatte bereits beim Open Water Kurs ein unangenehmes Gefühl bei der Tiefe von 18m. Vor einer Tiefe von 30m hatte ich allerdings panische Angst. Am zweiten Tag war es aber so weit und es gab kein zurück mehr. Ich würde mein Zertifikat ohne den Tieftauchgang ja auch nicht bekommen. Der erste Tauchgang am Morgen sollte mich in eine Tiefe von 30m führen. Schon am Vorabend hab ich hin und her überlegt, ob ich das auch wirklich machen soll. Als ich mich bereits im Wasser befand und meine Tauchlehrerin und mein Buddy bereit zum Abtauchen waren, stieg Panik in mir auf. Ich sagte meiner Tauchlehrerin dass ich Angst hätte und mir nicht sicher war, ob ich das schaffe. Mir wurde aber nicht viel Zeit zum Überlegen gelassen, den schon hieß es Luft aus dem BCD und abtauchen. Unter Wasser konnte ich nicht mehr weiter meckern und allein wollte ich nun auch nicht an der Oberfläche bleiben. Auf einer Tiefe von 20m angekommen fragte uns Astrid ob alles okay sei. Ich gab ihr das Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmte. Auf eine mitgebrachte Tafel schrieb sie, was den mit mir los sei. Ich überlegte kurz und stellte fest, dass rein gar nichts mit mir los ist und die, wiedermal vollkommen unbegründete Angst sich einzig und allein in meinem Kopf abspielte. Also atmetet ich zwei Mal tief durch, gab ihr das Zeichen für „okay“ und los ging es immer tiefer, bis wir auf einer Tiefe von 30m angelangt waren.

Ab einer Tiefe von ca. 30m kann es sein, dass man einen Tiefenrausch erleidet. Der äußert sich dergestalt, dass der Kopf langsamer funktioniert, einem schwindelig wird oder man auf einmal unkontrolliert zu lachen anfängt und seine Fähigkeiten falsch einschätzt. Beinahe wie ein echter Rausch also. Verantwortlich für den Tiefenrausch ist der Stickstoff im Körper. Um zu testen, wie die Tiefe von 30m auf uns wirkt mussten wir unter Wasser einfache Aufgaben lösen: rechnen, 3 Länder mit einem bestimmten Buchstaben und unser Geburtsdatum aufschreiben. Wir hatten bereits davor an Land Aufgaben gelöst um zu sehen, wie viel länger wir unter Wasser dafür brauchen, da das Gehirn normalerweise eben langsamer funktioniert. Bei mir war es allerdings umgekehrt. Unglaublich froh darüber, dass ich nicht mehr auf die Tiefenanzeige auf meinem Tauchcomputer starren musste und ich mich auf etwas anderes konzentrieren konnte, hab ich die Aufgaben unter Wasser wesentlich schneller gelöst als an der Oberfläche. Nix mit Tiefenrausch also. Schade eigentlich, wäre interessant zu wissen gewesen, wie sich das anfühlt.

Nach ein paar Minuten in dieser Tiefe stellte ich fest, dass es nichts anderes als auf 18m ist. Ich konnte mich langsam entspannen und die unglaubliche Schönheit des Aquariums genießen in dem ich mich befand. Auf einmal machte unsere Tauchlehrerin das Zeichen für Hai und bewegte sich schneller vorwärts. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Endlich, war es so weit. Ich würde meinen ersten Hai beim Tauchen sehen. Bei jedem meiner Tauchgänge hatte ich darauf gehofft und nun war der Moment endlich da. Ein ungefähr zwei Armlängen großer wunderschönder  Weißspitzenriffhai  zog seine Bahnen durchs Meer und als wäre das noch nicht genug gewesen schwebte plötzlich ein anmutiger Adlerrochen an uns vorbei. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Wieder an der Oberfläche angekommen war ich wie berauscht. Stolz darauf meiner bescheuerten Angst den Stinkefinger gezeigt zu haben und glücklich darüber diese wundervollen Meeresgeschöpfe in ihrer natürlichen Umgebung gesehen zu haben.

Den ganzen Kurs hatte ich mich vehement gegen das Nachttauchen gewehrt. Noch am Vorabend hab ich beim Essen aufs Meer geschaut, gelacht und zu einer Freundin gesagt, dass mich da keine zehn Pferde im Dunkeln hineinbringen würden. Nach meinem Erfolgserlebnis Tieftauchgang und noch immer beflügelt vom Adrenalin hab ich mich dann doch dafür entschieden. Den Nachttauchgang machten wir zu viert. Ich und der Manager der Tauchschule und meine Tauchlehrerin und eine andere Schülerin bildeten je ein Buddyteam. Angst hatte ich auf einmal keine mehr, nur Vorfreude. Mit Taschenlampen bewaffnet wateten wir ins Wasser und tauchten als es tief genug war langsam ab. Das Gefühl des Nachttauchens ist schwer zu beschreiben. Es ist stockdunkel und alles was man sieht ist den Schein seiner Taschenlampe. Trotzdem fühlte ich mich durch die Dunkelheit irgendwie geborgen und sicher. Wenn ich nicht den Druck in meinen  Ohren gespürt hätte, hätte ich nicht gewusst, ob ich hinauf oder hinunter tauche. Die Farben der Korallen erscheinen im Licht der Taschenlampe intensiver. Man sieht Spezies, die man bei Tag kaum zu Gesicht bekommt: Schnecken, Tintenfische, Krabben, Schnecken. Dunkelt man die Taschenlampe ab, kann man mit den Händen mit der Fluoreszenz des Planktons spielen. Ein Erlebnis.

Als wir so vor uns Hintauchen gibt mir mein Buddy plötzlich das Zeichen für „out of air.“ Ich dachte mir, ja klar, der war an der Oberfläche schon so lustig, jetzt verarscht er mich unter Wasser weiter. Doch dann merkte ich, dass es kein Scherz war, griff geistesgegenwärtig zu meinem Emergency-Regulator und rettete ihm in ca. 13m Tiefe das Leben. Okay, das war etwas theatralisch ausgedrückt. Ich hab ihm wahrscheinlich nicht das Leben gerettet, da er sich als Diving-Instructor vermutlich einfach den Emergency-Regulator gegriffen hätte, wenn ich langsamer gewesen wäre. Egal, ich bezeichnete mich für den Rest des Abends als Lebensretterin. Wir mussten den Tauchgang folglich frühzeitig abbrechen und haben uns das Bier redlich verdient.

Im Nachhinein sind wir übrigens drauf gekommen, dass der gute Herr einfach nie auf seine Anzeige geschaut hat und wohl einen halbleeren Tank mit 100 statt 200 bar genommen hat. Was lernt man daraus, egal wie oft man auch tauchen mag, man sollte nie vergessen die Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten.

Das war also mein advanced diving Kurs. Ich hab meine Ängste besiegt, konnte meine skills so weit verbessern, dass ich mich um einiges sicherer unter Wasser fühle und hatte eine Menge Spaß.

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5 Comments

  • Dein Bericht war total spannend zu lesen! Ich habe erst meinen CMAS 1* Stern in Thailand diesen Winter gemacht (habe dazu auch einen Beitrag auf meinem Blog) und es war so toll!!!! *.* Ich war so beeindruckt.
    Gerne hätte ich auch einen Hai gesehen, aber das blieb mir leider verwehrt.. naja, vielleicht nächstes Mal!
    Ich hätte auch ein wenig Angst vor der Tiefe von 30m und noch viel mehr in der Nacht, aber vielleicht wird mir auch einmal die Angst genommen und dann sehe auch ich, dass alles nicht so schlimm ist. :)
    Liebe Grüße, Natascha von SJMB ♡

    • Liebe Natascha!
      Danke dir. Hab mir grad deinen Beitrag auf deinem Blog übers Tauchen angeschaut, auch sehr toll. Ja kann ich mir vorstellen, dass du auch Angst hättest, aber das Gefühl, wenn man die Angst überwunden hat ist unbezahlbar.
      Alles Liebe

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