Inspiring People: Jasmin Schweizer – Auswandern nach Bali

Da ich immer wieder unglaublich inspirierende Menschen treffe, die mich beeindrucken, habe ich beschlossen einen neuen Fixpunkt auf meinem Blog zu schaffen: Inspiring People. Dafür werde ich bezaubernde Menschen interviewen und diese Interviews mit euch teilen. Vielleicht inspirieren sie euch ja so, wie mich <3

Die liebe Jasmin macht den Anfang. Sie hat einen meiner Gastbeiträge auf Oh my Yogi kommentiert. Aus diesem ging hervor, dass sie vor einiger Zeit nach Bali ausgewandert war. Das hat mich dazu inspiriert mit ihr Kontakt aufzunehmen und sie schließlich zum Thema „Auswandern nach Bali“ für euch zu interviewen.

Leider kann ich sie während meines Aufenthalts nicht persönlich kennenlernen, hoffe aber, dass ich das irgendwann nachholen kann.

Seit wann lebst du schon auf Bali?
Ich bin Anfang Oktober 2016 auf Bali angekommen. Somit bin ich schon seit über zehn Monaten auf der Insel! Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.

Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?
Um ehrlich zu sein war diese Entscheidung wahnsinnig spontan. Mein Freund und ich sind frisch zusammengewesen aber hatten vollkommen andere Pläne als Bali. Ich hatte nämlich bereits einen Masterplatz in London und er hatte fest geplant durch Südamerika zu reisen. Wie das so ist ändern sich Pläne aber, vor allem wenn man verliebt ist. Und das ist auch gut so, denn das Leben ist alles andere als berechenbar. Wir dachten über eine Destination nach, die uns beiden schmecken würde und was unsere Motivation ist. Jan wollte besser surfen lernen und ich wollte tiefer in die Yogapraxis und Spiritualität eintauchen und ein Yoga Teacher Training absolvieren. Diese beiden Leidenschaften sollten dann noch an einer Destination gelebt werden können, in der wir problemlos arbeiten können. Ohne vorher je da gewesen zu sein fiel dann unsere Entscheidung für Bali.

Wie hast du dich auf deinen Umzug vorbereitet und wie lange?
Es ging alles verdammt schnell. Im Dezember 2015 haben wir die Entscheidung gefällt. Ich habe dann ein halbes Jahr später meinen Job in München aufgegeben und bin dann für 3 Monate zu Jan nach Stuttgart gezogen. Er hatte seinen letzten Arbeitstag Ende September 2016. Und dann ging es schon los. Das heisst etwa 9 Monate Vorbereitung. Es war keine schwere Geburt! Ich musste meine Wohnung in München aufgeben und habe meine meisten Möbel verkauft oder bei meinen Eltern im Keller untergestellt. Jan hat in einer WG gewohnt und hat fast sein ganzes Hab und Gut verkauft oder verschenkt. Da er sowieso minimalistisch veranlagt ist, fiel ihm das alles andere als Schwer. Die Krankenversicherungs- und Visumsvorbereitung für Indonesien war auch relativ unproblematisch und hat nicht viel Zeit in Anspruch genommen. Wir haben einen großen Koffer mit Klamotten gepackt, zwei Backpacks und das wars. Alles andere sollte dann auf Bali erfolgen.

Welche Tipps hast du für Leute die nach Bali auswandern wollen?
Wenn du nach Bali auswandern willst, dann empfehle ich dir Folgendes: Du musst zwar nicht der Großverdiener sein, um hier schön leben zu können. Finanziell vollkommen planlos würde ich hier aber nicht herkommen. Du brauchst keinen Masterplan, aber entweder, du hast dir ein bisschen Geld angespart, um dann etwas Puffer zu haben, um zu schauen, wie es für dich beruflich weitergeht, oder du hast bereits das große Glück als Freelancer oder selbstständig von unterwegs arbeiten zu können. So einfach in einem indonesischen Business einen Job zu bekommen ist es nämlich nicht. Das Arbeitsvisum ist relativ teuer und zeitaufwändig, wenn du dich selbst um eins kümmern musst und ohne Arbeitsvisum hier zu arbeiten, würde ich unbedingt abraten, denn da droht dir die Ausweisung oder Unangenehmeres. Weiterhin würde ich dir raten, dich auf das Inseltiming einzustellen. Hier sind die Menschen nicht immer pünktlich. Sie vergessen gerne mal Termine und über die Fastentage gehen schon gerne mal die Bankautomaten leer und du musst sehen, wie du die Tage auskommst. Religiöse Zeremonien sind hier echt häufig und dann liegt schon mal der Verkehr lahm.

Warum Bali?
Diese Frage wird mir sehr häufig gestellt. Bali ist für mich ein Ort des Wachstums. Und das wird mir täglich bewusster, egal mit wem ich spreche, oder wenn ich meine persönliche Entwicklung betrachte. Insbesondere Ubud und Canggu sind Wahlheimat einer Expat Community, die sich entschieden hat, ihre Träume selbst in die Hand zu nehmen. Diese Energie spürst du überall. Hier etwas zu wagen ist einfacher als in Deutschland. Denn hier ist es quasi Gruppenzwang! Man versucht seine Ideen zu realisieren, begreift, die einen sind gut und die anderen vielleicht weniger, aber zumindest tut man es einfach, anstatt jahrelang darüber zu nachzugrübeln. Man hat hier irgendwie weniger Angst davor zu „versagen“ und wagt mehr.

Trägst du noch die rosarote Brille oder bist du schon im Alltag angekommen? Was sind die Widrigkeiten
eines Lebens auf Bali?
Bali ist alles andere als perfekt. Wer es als Paradies bezeichnet, der hat meiner Meinung nicht richtig hingeschaut. Klingt hart, aber ist so. Das heisst nicht, dass ich Bali dafür weniger liebe, aber ich finde es auch schwierig bei offensichtlichen Problemen die Augen zu verschliessen. Wenn man sich entscheidet hierher auszuwandern, wird man einfach auch unschöne Dinge auf dieser Insel entdecken. Ich hatte anfangs die rosarote Brille auf, habe sie aber ziemlich schnell abgenommen. Das fühlt sich auch echter an und ich will auch ohne rosarote Brille weiterhin hier sein. Ich denke die größte Widrigkeit auf Bali ist der unachtsame Umgang mit der Natur in Form von Umweltverschmutzung. Plastik wird leider immer noch an vielen Ecken verbrannt oder einfach ins Wasser geschmissen. Mir fehlt auch häufig die frische Luft, die ich in Deutschland bei einem langen Waldspaziergang genießen konnte.

Wie kann man sich den Alltag eines digitalen Nomaden hier auf Bali vorstellen?
Ich denke, man kann den typischen Tagesablauf des digitalen Nomaden nicht wirklich schildern, denn diesen gibt es nicht. Die Freiheit, sich den Tag so einzuteilen, wie es für einen selbst richtig ist, nimmt man sich als digitale Nomade. Somit sieht der Alltag bei jedem anders aus. Den eigenen Tag selbst zu strukturieren ist dabei gar nicht so einfach und erfordert viel Disziplin. Die meisten digitalen Nomaden arbeiten aber genauso 8 h am Tag. Ihre Energielevels bestimmen jedoch ob das eher morgens, mittags oder abends ist und wieviele Pausen sie brauchen. Ein Freund von mir arbeitet zum Beispiel in folgendem Rhythmus: 20 Minuten arbeiten – 5 Minuten Pause – und so weiter. Das Coworking space Dojo hat 24/7 geöffnet und so trifft man hier zu jeder Tageszeit fleißige Digitale Nomaden an. Dojo bietet fast täglich kostenlose Präsentationen an, sei es über SEO Techniken, die optimale Arbeitseinteilung oder Tipps und Tricks zum Biohacking oder zur Selbstständigkeit.

Was kostet das Leben auf Bali? Ist es wirklich so viel günstiger als in Europa?
Auf Bali kann sowohl auf Low-Budget leben als auch viel Geld ausgeben. Die Miete ist um einiges günstiger als in Deutschland. Mein Freund und ich haben ein kleines Häuschen, 10 Gehminuten zum Strand, das uns im Monat 550 € warm kostet. Meine 24 qm Wohnung in München hat mich 700 € warm gekostet. Das ist schon ein enormer Unterschied. Wenn es ums Essen geht kann man sich wirklich sowohl für 1 € pro Mahlzeit im indonesischen Warung durchfuttern, als auch Clean-Eating oder internationale Küche für ein bisschen mehr Geld genießen. Kaffee auf Bali ist zum Beispiel unglaublich gut und für einen Cappuccino zahlt man hier ca. 1,70 €. Bali ist also zwar günstiger als Deutschland, man geht aber entsprechend auch öfter draußen essen und Kaffee trinken und somit gleicht sich das vielleicht auch wieder aus.

Du organisierst Beach Clean Ups – wie groß ist denn das Müllproblem auf Bali und was sind die
Ursachen?
Ich habe in der Regenzeit wöchentlich Beach-Clean-Ups organisiert. Wie die Strände an manchen Tagen aussehen hat mich wirklich fassungslos gemacht – wie ein Teppich voller Plastikmüll. Die Schuld liegt dabei nicht nur bei Bali. Der Plastikmüll kommt durch Strömungen auch von anderen Inseln angespült, vermutlich auch viel aus Java. Die Strände von Canggu haben 3-4 Freiwillige, die sich diesem Problem wöchentlich annehmen, freiwillige Helfer zusammentrommeln und den Müll aufsammeln. Später holt dann Eco Bali den Müll ab, der dann getrennt und so gut wie möglich recyclet wird. Im Februar hat One Island One Voice das größte Beach-Clean-Up organisiert, das Bali je gesehen hat. Ich war für den Echo- Beach Teil verantwortlich. Es war anstrengend, aber es kamen so viele wunderbare Menschen zusammen, um zu helfen. Wieder ein Zeichen, wie stark die Community hier ist. Ab 2018 werden auf Bali keine Plastiktüten mehr angeboten. Ich hoffe, es geht voran. Ich mache aktuell eine kleine Pause von den Clean-Ups, aber spätestens zur Regenzeit geht es wieder los.

Was arbeitest du und was sind deine Pläne für die Zukunft?
Aktuell arbeiten mein Freund und ich an unserem gemeinsamen Blog Simplefit. Wir entwickeln eine Methode, die Menschen in ihrem oft bürolastigen Alltag inspiriert, sich gesund zu halten. Dabei geht es zum Beispiel um Übungen für eine bessere Körperhaltung, Yoga, Meditation, Atmung und eine gesunde Ernährung. Zusätzlich haben wir noch andere Projekte, die uns einen finanziellen Puffer sichern, aber Simplefit ist wirklich ein Herzensprojekt. Wir werden noch ein Weilchen auf Bali bleiben, denn momentan fühlen wir uns hier wohl. Wir haben tolle Menschen kennengelernt, mögen unser kleines Haus
und haben sogar eine kleine Katze aus den Reisfeldern adoptiert. Aber früher oder später wird es zurück nach Europa gehen. Denn ich vermisse meine Familie und meine Freunde sehr. Außerdem möchte ich in Zukunft als Yogalehrerin in Deutschland arbeiten. Dafür habe ich ja hier mein Yoga Teacher Training absolviert und werde die Zeit hier weiterhin für meine Ausbildung nutzen.

Was sind deine ganz persönlichen Bali Tipps?
Wer nach Bali kommt sollte losziehen und sich hier verlieren. Es ist schade, dass so viele Menschen eher im Süden der Insel bleiben. Klar, hier ist es bewohnter, hier ist viel Entertainment geboten und hier sind die Top-Surfspots. Aber Bali hat so viel mehr zu bieten. Man muss nur mal durch Seseh fahren, oder Cemagi, etwas nördlich von Canggu, dann sieht man ein viel echteres Bali, simpleres Bali – aber mindestens genauso schön. Auch Candidasa ist toll zu sehen und bietet landschaftlich nochmal etwas ganz anderes als der Süden. Mein Tipp ist also: Bewegt euch auch mal abseits des Massentourismus und
Bali wird sich euch mit seinen schönsten Seiten offenbaren.

 

Danke Jasmin für dieses inspirierende Interview und die Einblicke in dein Bali Life. Ich kann es kaum erwarten Bali in zwei Wochen wieder unter meinen Füßen zu spüren.

1 Comment

  • Liebe Julia,

    danke für dieses tolle Interview mit Jasmin. Gerade für mich natürlich gerade sehr inspirierend. Besonders der Teil mit der rosaroten Brille und die Tipps zum Auswandern und Arbeiten waren für mich sehr interessant.
    Jetzt ist es nur noch ein Monat und dann gehts für mich auch nach Bali. Ich bin schon gespannt wie es mir gehen wird …
    Du bist ja ganz bald dort – ich wünsch dir eine tolle Zeit!

    Alles Liebe,
    Simone

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