Meine Reise neigt sich dem Ende zu. In weniger als zwei Wochen werde ich meine Eltern am Flughafen von Bali in Empfang nehmen und dann die letzten drei Wochen mit ihnen gemeinsam in Indonesien Urlaub machen. In weniger als zwei Wochen ist es also vorbei mit meiner ersten Soloreise.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie viel Angst ich hatte bevor ich los gefahren bin. Die letzten zwei Wochen vor meiner Abreise hab ich mich ständig gefragt, wieso ich mir das antue und die Szenarien eines Reiseabbruchs und einer frühzeitigen Rückkehr nach Hause im Kopf durchgespielt. Jetzt weiß ich, all die Angst war unbegründet und diese Reise eine der besten Entscheidungen, die ich bisher in meinem Leben getroffen habe. Keine Sekunde hab ich es bereut meinen relativ sicheren Job in einer Anwaltskanzlei an den Nagel gehängt zu haben. Von Tag zu Tag wurde ich mehr darin bestärkt, dass das nicht das Leben war, das ich führen möchte.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe ich nun dem Ende entgegen.
Ich freue mich darauf meinen Freund und meinen Hund wieder in die Arme zu schließen und am Morgen neben ihnen aufzuwachen. Ich freue mich auf meine Eltern, meine Familie und meinen Haufen verrückter Freunde. Ich freue mich auch darauf wieder zu arbeiten und mein Gehirn anstrengen zu können. Ich freue mich auf gewisse Annehmlichkeiten die Österreich zu bieten hat und darauf nicht mehr bei jeder Bewegung Schweißperlen auf der Stirn zu bekommen. Ach und fast hätte ich es vergessen, ich freue mich aufs Essen, vor allem auf Kernöl und Brettljause. Ich freue mich darauf Bier wieder gegen Spritzer tauschen zu können. Ich freue mich darauf, dass es nicht jeden Tag bereits um 18 Uhr dunkel wird und ich an lauen Sommernächten am Donaukanal sitzen kann. Ich freue mich auf die samstäglichen Marktbesuche mit meinem Freund und darauf meinem Hund wieder stundenlang ihren Ball zu werfen,. Ich freue mich auf meine Wohnung und mein eigenes Bett. Ich freue mich auf meinen Kleiderschrank und darauf nicht mehr die ganze Zeit das selbe anziehen und aus dem Rucksack leben zu müssen. Ich freue mich auf sonntägliche Bummel durch Wien, mit einem Eis vom Eisgreissler und Stadtbummeltage in Graz mit meiner Mama. Ich freue mich darauf wieder mit meinen Freunden auf ein Glas zu gehen und dann doch wieder abzustürzen. Ich freue mich auf die Abendessen mit meinen Eltern. Ich freue mich auf die alltäglichen und gewöhnlichen Dinge zu Hause.
Ich bin allerdings auch traurig, traurig darüber, mich vom Meer und vom Strand verabschieden zu müssen. Traurig darüber Flip Flops und barfuß gegen Schuhe tauschen zu müssen. Traurig darüber, dass ich nicht mehr jeden Tag neue und aufregende Menschen kennen lernen werde. Traurig darüber, dass die Entdeckungen und täglichen Abenteuer, bei denen man nicht weiß, was einen erwartet vorbei sind. Traurig darüber, dass ich nicht mehr tauchen und an meinen eher ungenügenden Surfkünsten feilen kann. Traurig darüber vorerst keine neuen Kulturen zu erforschen. Traurig darüber wieder in einer konsumorientierten Gesellschaft zu leben, in der so viel Unechtheit und Unzufriedenheit herrscht. Traurig darüber, dass man bei neuen Begegnungen mit Menschen wieder Smalltalk führen und nicht über den Sinn des Lebens und die Probleme dieser Welt sprechen wird. Traurig darüber, nicht mehr tun und lassen zu können, was und wann ich es gerade möchte.
Ich habe das Gefühl, mit dem Reisen noch nicht fertig zu sein. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel von unserer wunderschönen Welt gesehen und kennengelernt, aber noch lange nicht genug. Ich weiß, dass ich auch in Zukunft alleine vereisen werde. Ich war schon immer gern zwischendurch alleine. Aber auf dieser Reise hab ich mich in das Alleinsein verliebt. Ich liebe es, sämtliche Entscheidungen nur für mich treffen zu müssen, niemandem Rechenschaft zu schulden und keinen dafür verantwortlich machen zu können, wenn mal was schief geht. Alleine zu reisen ist für mich zu einer Möglichkeit geworden, ganz intensiven Kontakt mit mir selbst herzustellen, meine Fähigkeiten und meine Grenzen herauszufinden.
Ich bin unglaublich gespannt drauf wie es ist, wieder österreichischen Boden zu berühren und nach Hause zu kommen. Ich werde es euch jedenfalls wissen lassen. Jetzt genieße ich aber erstmal meine letzten Wochen in Asien und meiner ersten Soloreise, an die ich vor einem Jahr noch nicht einmal im Traum gedacht habe und freue mich gleichzeitig auf meine Rückkehr nach Hause.

Ich freue mich, dass du dich aufs Heimkommen freust. ❤️