Liebes Myanmar!
Mein Aufenthalt bei dir ist leider vorbei. Zwei Wochen durfte ich dir einen Besuch abstatten und dich und deine Bewohner kennen lernen.
Wir hatten keinen leichten Start. Mandalay gefiel mir nicht. Zu laut, zu dreckig, zu chaotisch. Dann hat die mangelnde Hygiene deines Essens auch noch dafür gesorgt, dass ich krank wurde und gleich den Beginn meiner Reise mit Fieber und Antibiotikum im Bett verbringen durfte.
Allerdings hast du mir mit Bagan einen neuen happy place beschert. Selten hat mich ein Ort derart überwältigt, wie die Tempelanlagen von Bagan zu Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Die Farben und die Magie dieses Ortes sind nicht in Worte zu fassen und haben mich sprachlos gemacht. Damit hast du mich für den etwas holprigen Start wieder entschädigt. Mit dem Inle-See hast du mir ein weiteres Highlight meiner Reise beschert und mich um einige Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzt. Mit Yangon hast du mir gezeigt, dass nicht alle südostasiatischen Großstädte fürchterlich sind.
Ich durfte die Schönheit deines Landes in der Trockenzeit kennen lernen. Teilweise, vor allem in Yangon, war die Hitze fast nicht auszuhalten. In den nächsten Monaten soll es sogar noch heißer werden, bis im Juni endlich der lang ersehnte Regen einsetzt und dich wieder zum Blühen bringt. Obwohl deine Landschaft während meines Aufenthalts dürr, karg und hauptsächlich in Brauntönen gekleidet war, finde ich dich wunderschön. Während meiner Trekkingtour habe ich deine Landschaft eingehend bewundert und war vor allem vom Wechsel der Farben deiner Erde hin und weg. Deine Reisfelder müssen nach der Regenzeit wunderschön sein. Ich möchte dir in deiner Blütezeit jedenfalls einmal einen Besuch abstatten.
Traurig gemacht hat mich dein Müllproblem und das mangelnde Umweltbewusstsein. Plastik verrottet weder, noch tut es der Umwelt gut, den Müll zu verbrennen. Zeitweise habe ich mich wie in einer Räucherkammer gefühlt. Ich hoffe, dass hier in Zukunft eine positive Entwicklung stattfinden wird. Auch die Anzahl deiner Straßenhunde hat mir teilweise die Tränen in die Augen getrieben, zu gerne würde ich jedem einzelnen helfen. Gefreut hat mich dein schrittweiser Weg in die Demokratie und die erste demokratische Wahl eines Präsidenten.
Aber weißt du, was mir an dir am besten gefallen hat? Deine Menschen! Am Anfang hat mich die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft etwas eingeschüchtert. Ich war so etwas von zu Hause, wo jeder nur starr gerade ausschaut, nicht gewöhnt und konnte es nicht so recht einordnen. Ich habe allerdings schnell Gefallen daran gefunden, dass mich jeder anlächelt und mit dem Kopf zur Begrüßung nickt. Ich fand es auch lustig, wenn ich als Fotomotiv für deine Menschen parat stehen musste oder meine weiße Haut von ihnen berührt wurde. Ich habe außerdem noch nie so glücklich wirkende Menschen gesehen wie bei dir. Auch die bitterarmen Menschen schienen glücklich und zufrieden und schafften es mir zu zeigen, dass es wirklich wenig ist was man zum Glücklichsein braucht. Ich hoffe das, auch nach meiner Rückkehr nach Europa, immer im Hinterkopf zu behalten und mir in Erinnerung rufen zu können, wenn der westliche Überfluss wieder einmal meine Unzufriedenheit schüren sollte.
Du bist gastfreundlich, ursprünglich, einfach und authentisch. Ich muss zugeben, ich habe Angst davor, dass sich das durch den rasant zunehmenden Tourismus in den nächsten Jahren verändern wird. Einer deiner Menschen hat mir erzählt, dass du nicht wie Thailand werden möchtest und deine Preise deshalb bewusst etwas höher haltest, verglichen zu deinen Nachbarländern. Bitte behalte das bei, es wäre wahnsinnig schade um dich. Ein anderer deiner Menschen hat mir nämlich erzählt, dass Yangon das neue Bangkok werden möchte. Es soll bald nicht mehr möglich sein bei den Trekkingtouren in den Dörfern deiner Menschen zu schlafen. Es werden bereits Anlagen für die Touristen gebaut. Das wäre so unglaublich schade, denn genau dieses Eintauchen in deine Kultur und das Kennenlernen deiner Menschen, machen deinen Besuch aus. Ich musste leider feststellen, dass der Tourismus bereits beginnt dich zu verändern. Eigentlich gehen deine Kinder in die Grundschule. Ein paar Erwachsene in Bagan haben aber bereits herausgefunden, dass es lukrativer ist, ihre Kinder zum Verkauf von Souvenirs in die Tempelanlagen zu schicken anstatt in die Schule. Das stimmt mich sehr traurig und ich hoffe, dass du dem Einhalt gebieten wirst und Bagan nicht voller arbeitender Kinder wie Angkor in Kambodscha wird.
Danke für eine wunderschöne Zeit. Ich habe das Gefühl, dich noch zur richtigen Zeit besucht zu haben. Du hast mir einen wunderschönen Start meiner Reise beschert. Ich hab mich in dich und deine Menschen verliebt. Bitte bleib so wie du bist. Behalte deine Traditionen, deine Kultur, deine Freundlichkeit und deine Authentizität. Lass dich nicht durch den Kapitalismus, den Tourismus und das Geld der westlichen Welt verändern. Werde nicht wie deine Nachbarländer. Ich werde wieder kommen und all die Orte, an die ich es nicht geschafft habe, erkunden.
Alles Liebe
Jules

Toller Beitrag!! :)