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Gueststory: Tantra & Weiblichkeit Workshop: Erfahrungen auf Bali

Ich hab euch Jasmin ja bereits vorgestellt. Welche Erfahrungen sie bei einem Tantra Workshop gemacht hat, teilt sie heute mit euch:

Einige meiner Freunde auf Bali haben sich der Tantra Lehre gewidmet. Ich war jedoch immer etwas zurückhaltender, da im Westen Tantra häufig nur mit ausgefallenen Sexorgien verbunden wird. Da meine Neugier trotzdem groß war habe ich mir zunächst von meinen Freundinnen berichten lassen. Und ihre Erfahrungen waren ganz vielseitig, aber immer wundervoll. Sie wirkten mit intensiverer Tantrapraxis irgendwie weicher, achtsamer und liebevoller zu sich selbst. Da ich stets offen bin mein eigenes Leben mit neuen spirituellen Praktiken zu bereichern entschied ich mich der Tantra Lehre zu widmen. Und wie gelingt der Schritt ins „Ungewisse“ besser, als mit einer vertrauten Person?

Celine ist meine Yogalehrerin auf Bali, deren Yin Yoga Klasse ich jeden Freitag besuche. Sie hat in vielen verschiedenen Ländern gelebt und von Swamis, Yogis and Gurus die Lehre des Tantra gelernt. Basierend auf ihrem über Jahre angeeigneten Wissen gibt sie verschiedene Tantra Workshops für Frauen. Ich liebe ihre Yin Yoga Stunden, in denen ich alles, was mir im Kopf herumschwirrt, vor Betreten des Yoga Shala ablegen kann. Mein Vertrauen zu ihr und ihrer Lehre, gekoppelt mit meinem wachsenden Interesse an Tantra, überzeugten mich und ich kaufte mir ein Ticket für den Tantra & Femininity Workshop.

Warum Tantra mehr ist als Sex

Wenn man sich umhört, was Tantra eigentlich ist, bekommt man die verschiedensten Antworten. Googlet mal „Was ist Tantra“. Immer geht es um Sex hier Sex da. Ich bin keine Tantra Expertin, aber ich habe das Glück gehabt, bei einer erfahrenen Tantralehrerin zu lernen. Was ich verstanden habe? Tantra ist nicht NUR Sex. Sexualität ist aber ein nicht unbedeutender Teil von Tantra. Das Ziel von Tantra ist sich selbst auch durch den Körper zu erfahren und festzustellen, dass wir weit mehr sind als unser Körper, unsere Gedanken und Emotionen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Hatha Yoga aus der tantrischen Tradition stammt? Das Bewusstsein wird erst körperlich erfahren und wird dann in Herz, Gedanken und Spirit ausgedehnt. Tantra verdammt den Körper somit nicht, sondern nutzt ihn zur Erlangung von Erkenntnis. Das Ziel von Tantra ist es Shiva (eine höhere Form unseres Bewusstseins) mit Shakti (Lebensenergie) zu vereinen.

Tantra Workshop: Ablauf

Der Workshop wurde mit einer kurzen Vorstellungsrunde gestartet. Name, Herkunft, Sternzeichen und was man sicht von diesem Tantra Workshop erhofft. Viele der Frauen waren Karrierefrauen aus Deutschland, der Schweiz, oder Schweden. Eine Welt, die eher maskulin geprägt ist: Strukturiert, kontrolliert, perfektionistisch, hart. Und so war das Ziel vieler Teilnehmerinnen ihre feminine Seite, die erdend, weich, empfänglich ist, in dieser maskulinen Welt wieder zu entdecken.

Celine erklärte zunächst, was Tantra überhaupt ist, da die Meisten ziemlich planlos waren. Dann ergründeten wir das Thema maskuline und feminine Essenz auf spielerische Weise. Wieso? Weil beides in uns vorhanden ist, aber wir aufgrund äußerer Umstände häufig unsere wahre Essenz unterdrücken. Zum Beispiel kann die Essenz einer Frau eher empfänglich und weich sein, sie ist aber beruflich verpflichtet Kontrolle zu haben und will Autorität ausstrahlen. Für alles blockierende Unnatürliche und Fremde, das wir aufgrund gesellschaftlicher oder erzieherischer Werte angenommen haben, haben wir im Tantra Workshop Anregungen erhalten, loszulassen.

Wie ein Praxisbeispiel in einem solchen Workshop aussieht? Zehn Minuten lang saßen wir sehr nah im Lotussitz vor einer zu diesem Zeitpunkt Fremden, ihre linke Hand auf unserem Herzen platziert, und mit unserer linken Hand haltend, die Augen verschlossen zu herzöffnenden Mantras. Ich sage euch, diese Übungen waren äußerst intim: Man offenbart eine verletzliche Seite, ohne Scham und ohne Filter. Man berührt sich, nicht sexuell motiviert, aber es ist eine Berührung mit einem Fremden. Während des Workshops flossen einige befreiende Tränen, bei jedem von uns.

Tantra und weibliche Verbundenheit

Am Anfang des Tantra Workshops war ich etwas zurückhaltend, da wir alle Fremde waren. Aber spätestens als jede Frau über ihre Motivation der Teilnahme an dem Workshop sprach, merkte ich, wie sehr wir die gleichen Ängste und Hoffnungen teilen. Auch durch die Übungen, die wir mit unserem anfangs fremden Gegenüber praktizierten, wurde deutlich, wie stark wir Frauen verbunden waren und wie wir einander stärken können. In einem Raum voller femininer Energie werden Frauen zu Verbündeten. Es ist so stark und überwältigend zu sehen, wie viel Verständnis und Liebe wir füreinander empfinden können und wie sehr wir uns unterstützen können. Leider ist in unserem Alltag viel zu häufig das Thema Konkurrenz präsent. Wir denken, wir müssen einander übertrumpfen, wir vergleichen uns, anstatt darüber nachzudenken, wie hilfreich wir füreinander sein könnten.

Celine hat uns alle ermutigt, unser eigenes magisches Werkzeug in unseren Alltag mitzunehmen und das Prinzip unserer wahren Essenz zu entdecken und zu leben und damit mehr Selbstakzeptanz und Liebe zu spüren.

Welcher Tantra Workshop ist der Richtige?

Es gibt Tantra Basic Workshops wie der hier Beschriebene, in dem ihr erstmal ein Verständnis dafür entwickelt, wie vielseitig Tantra ist und mit Einsteigerübungen beginnt. Dann gibt es Workshops, die häufig im Westen praktiziert werden, in denen es sich schon sehr viel stärker um sexuelle Inhalte dreht – was nicht unbedingt schlecht sein muss. Informiert euch vorher gut, was ihr wollt. Ich empfehle euch langsam zu starten, damit ihr nicht gleich abgeschreckt seid. Man kann nur schwer in seinen ersten Tantra Workshop reinspazieren und die Hüllen fallen lassen und das ist sowieso gar nicht der Sinn dahinter, sondern kann nur eine von vielen Methoden sein. Ich rate jeder Frau, einmal in diese wunderbare Lehre reinzuschnuppern, um endlich die „Göttin“ zu erwecken, die wirklich in jeder von euch schlummert.

Eure Jasmin

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